Das Potential der Vielen ‒ Crowdsourcing

Über das Web 2.0 wird inzwischen auch in den klassischen Massenmedien berichtet, dabei geht es meistens um die sozialen Netzwerke, um Facebook und Twitter, weniger um Veränderungen der Arbeitswelt. Genauso wie bei Informationen wird mit dem Web 2.0 auch Arbeit vernetzter und interaktiver, mit sogenannten Crowdsourcing können verschiedene Aufgaben von einer virtuellen Gemeinschaft bearbeitet werden und Auftraggeber können das Potential der Vielen abschöpfen.

Im Dezember hatte ich Gelegenheit in der Kölner Ringvorlesung „Zukunft umdenken ‒ Geld. Glück, Gesellschaft“ einen Beitrag zu Crowdsourcing von Claudia Pelzer zu hören. Frau Pelzer betreibt den deutschen Crowdsourcingblog, die wichtigste Informationsquelle zu dem Thema in Deutschland. Crowdsourcing ist einer neuen Form von Zusammenarbeit mit Hilfe von Technologen des Web 2.0, auf Seiten wie fiverr.com oder Freelancer.com kann man Profile mit eigenen Fähigkeiten und Angeboten anlegen oder Aufgaben einstellen, die von der Community erledigt werden sollen. Damit ergibt sich ein Marktplatz für verschiedenste Dienstleistungen, die über Internetplattform eingekauft oder verkauft werden können.

The Rise of Crowdsourcing

Der Begriff „Crowdsouring“ stammt aus dem Jahr 2006. Jeff Howe prägte den Neologismus in seinem Wiredartikel „The Rise of Crowdsourcing„. In diesem Artikel aus einer frühen Phase des Web 2.0 beschreibt Howes wie man über das Internet Bilder, Videos und verschiedene Dienstleistungen zu relativ geringen Kosten beziehen kann.

Professionelle Bilder, für eine Kampagne etwas, oder eine Ausstellung lassen sich über IStock-Seiten (Shutterstock, Dreamstime) kaufen, zu einem weitaus geringerem Preis als bei traditionellen Anbietern. Anstatt 600 $ für das Foto einer Bildagentur zu bezahlen, bekommt man professionelle Fotos über IStockseiten bereits ab 100 $. Ein Auftrag Auftrag wird beim Crowdsourcing nicht mehr an einen bestimmten Angestellten, einen bestimmten Freelancer oder ein bestimmtes anderes Unternehmen vergeben, der Auftraggeber kann auf einer Crowdsourcingseite auf eine Community an Anbietern zugreifen. Daher der Begriff „Crowdsourcing“, ein Neologismus aus „Crowd“ und „Outsourcing“.

Mit Crowdsourcing werden Aufträge an eine Community von Anbietern vergeben

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Die inzwischen gängige Definition von Crowdsourcing nach Jeff Howes lautet:

„Crowdsourcing is the act of taking a job traditionally performed by a designated agent (usually an employee) and outsourcing it to an undefined, generally large group of people in the form of an open call.“ www.crowdsourcingblog.de

Arten des Crowdsourcings

Nach Jeff Howes besteht das Potential von Crowdsourcing darin, dass die Grenze zwischen professionellen Dienstleistern und sogenannten Amateuren aufgehoben wird. Fotos auf den IStockseiten werden auch von Hobbyfotographen eingestellt, bei anderen Arten des Crowdsourcing sind einfache Tätigkeiten gefordert, die auch Webnutzern ohne komplexe Fähigkeiten oder Hintergrundwissen erledigt können. Durch Crowdsourcing entstehen also neuen Märkte für kollaboratives Arbeiten, in denen Internetnutzer ihre Fähigkeiten einbringen können.

Crowdsourcing ist wahrscheinlich deshalb noch nicht so bekannt, da es noch wenige Beispiele für diese Art der internetbasierten Arbeit gibt. Verschiedene Plattformen bieten aber heute schon unterschiedliche Arten des Crowdsourcings für verschiedene Bedürfnisse an.

  • Mechanical Turk ist ein älteres Crowdsourcingprojekt von Amazon. Auf der Seite werden einfache Aufgaben zu Centbeträgen angeboten, die ein Computer (noch) nicht erledigen kann. Typischerweise sind das einfache Recherchedienstleistungen oder Bilderkennungsaufgaben.
  • Auf der Seite von fiverr.com werden Dienstleistungen ab 5 $ angeboten. Die Dienstleistungen hier sind komplexer als bei Amazon. Die Aufgaben auf dieser Plattform sind in der Regel graphische Gestaltung, Design, Texten und Blogging.
  • Noch höher qualifizierte Aufgaben werden auf der Seite Freelancer.com angeboten. Auf dieser, nach eigenen Angaben größten Crowdsourcingplattform, kann man auch Projekte zur Softwareentwicklung, komplexere Schreibprojekte, oder Social Media Projekte einstellen und bearbeiten lassen.
  • Manche Crowdsourcingplattformen sind auf kreative Aufgaben spezialisiert, auf diesen Marktplätzen kann man Probleme lösen, die Kreativität oder Designerkenntnisse erfordern. Plattformen für Crowdsourcing im kreativen Bereich sind 12DesignerJovoto.com oder das Innovationskraftwerk. Die Komplexität der Aufgaben ist bei diesen Anbietern unterschiedlich hoch; auf 12Designer gibt es eher einfache Aufgaben wie Flyergestaltung oder die Gestaltung eines Logos. Bei Jovoto werden sogar Marketingkampagnen für großen Unternehmen ausgeschrieben, und auf Innovationskraftwerk kann man auch nach kreative Lösungen für wissenschaftliche oder gesellschaftliche Fragen suchen.

Crowdfundig und Crowdinvesting

Eine Sonderform der Grundidee des Crowdsourcings ist das Crowdfundig oder Crowdinvesting. Bei diesen Arten des Crowdsourcings geht es nicht darum, einen Marktplatz für Dienstleister und verschiedenste konkrete Aufgaben zu bieten. Über Crowdfunding  können unterschiedliche Projekte, etwa künstlerischer Projekte oder Startups durch die Community finanzieren. Die in Deutschland bekannteste Plattform für Crowdfunding ist startnext, vor allem Künstler oder Journalisten finanzieren kreative Projekte über Startnext. Aktuell sind auf Startnext vor allem Projekte zu Musik, Browsergames, Webseitengestaltung

Der Ablauf von Crowdfundig nach Startnext

Literatur und Kunst gelistet. Über die Seite kann man ein Projekt mit einer Kurzbeschreibung und Bildern einstellen, das dann von Unterstützern über startnext finanziert werden kann. Die Unterstützer von Projekte sind Privatpersonen, die mit ihren  Geldbeträgen das Projekt finanzieren. Als Gegenleistung bekommen die Unterstützer ein exklusives Dankeschön. Man kann beispielsweise bei einem kreativen Werk im Abspann erwähnt werden oder bekommt eine besonders gestaltete CD oder Einladung.

Welche Folgen Crowdsourcing hat, ist im Augenblick noch schwer abzusehen, da diese Entwicklung relativ neu ist. Es scheinen dadurch aber neue Formen von Arbeit möglich zu werden, freiberuflich Tätige haben durch Crowdsourcing Zugriff auf einen großen Marktplatz von Angeboten. Sie erfahren in weiteren Artikeln, für welche konkreten Projekte Crowdsourcing bereits eingesetzt wurde und welche weiteren Potentiale Crowdsourcing bietet.

Text: Michael Lindner

Michael Lindner

Dr. Michael Lindner ist Dozent für die Themen Selbstmanagement, Informationsmanagement und Wirtschaftsethik und Corporate Social Responsibility. Er gibt Workshops und Seminare und unterstützt Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen in Fragen der Selbstorganisation und dem effizienten Umgang mit dem Web 2.0. Treten Sie mit Michael Lindner in Kontakt. Sie interessieren sich für einzelne Seminarangebote? Hier geht es zu den Seminarangeboten. →

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. schön einmal einen Artikel zu lesen, in dem Crowdfundig und Crowdinvesting mal nicht direkt in einen Topf geworfen werden. Bin gespannt auf weitere Artikel.

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