Wrong Turn: Der Plan von der Abschaffung der Bildung

Vor kurzem habe ich ein Buch gelesen, das mir wirklich zu denken gab, das Buch Ware Bildung von Jochen Krautz. Über viele Tage konnte ich kaum fassen, was ich da eigentlich gelesen hatte. Ich war hochgradig irritiert und nervös, konnte sogar einige Nächte kaum schlafen. Ich möchte dir nun meine Gedanken mitteilen, wenn auch du dich für die Frage interessierst, wie der Plan von der Abschaffung der Bildung aussehen könnte.

Die Frage steht im Raum: Was bedeutet eigentlich Bildung? Und was bedeutet Bildung im Übergang zum digitalen Zeitalter? Bildung sollte ja zunächst einmal völlig losgelöst von dieser Betrachtung sein. Wenn du deine Augen schließt und dir vorstellst, was Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Elektrifizierung und die serielle Produktion möglich war, wie Flugzeuge, Straßenbahnen, Aufzüge und das Telefon eine wirklich rasante, völlige Veränderung der ganzen Lebenswelt bewirkten, würdest du trotzdem nicht sofort von dieser rasanten Entwicklung ganz automatisch darauf schließen, dass Bildung jetzt elektrisch sein müsste. Gebt mir meine elektrische Bildung!

Denn die Frage nach dem Ursprung unserer Bildung, die Frage danach, worin der Wesenskern unserer Bildung besteht, ist viel älter als die Frage nach der Elektrifizierung. Früher hätten wir von dem „Ideal humaner Bildung“ gesprochen. Wir hätten darüber gesprochen, was es bedeutet, ins Leben hinauszugehen, an eigenen Aufgaben zu wachsen, zunehmend mehr Verantwortung für die eigene Entwicklung zu übernehmen und selbstbewusst und kritisch an einem menschlicheren Zusammenleben mitzuwirken, mit Intelligenz, Phantasie, Empathie und Hingabe. Das war noch vor jener Zeit, als ähnliche Werte mehr und mehr in einem anderen Licht erschienen.

Jochen Krautz erinnert in seinem Buch Ware Bildung. Schule und Universität unter dem Diktat der Ökonomie (2007) an dieses Ideal aus einer längst vergangenen Zeit. So beginnt sein Buch auch konsequenterweise mit einem Bild aus einer vergangenen Epoche.

​Du willst als Angestellter oder Selbständiger neben Deiner regulären Arbeit aus Deinem Wissen etwas Außergewöhnliches machen? Noch heute Dein persönliches Abenteuer digitale Zukunft starten? In dem Sachbuch "Morgen weiß ich mehr" von Michael Lindner und Marcus Klug, welches im März 2017 zum "Buch des Monats" erkoren wurde, erfährst Du auf systematische Weise, wie das funktioniert und lernst zahlreiche Menschen und Organisationen kennen, die schon heute digitalen Wandel sehr erfolgreich gestalten!

„Was Bildung eigentlich ausmacht, zeigt das Relief über dem Eingang einer Volksschule in einer kleinen Stadt in Nordböhmen. Wenn die harmonisch wirkende Darstellung des Jugendstils auch aus einer anderen Zeit stammt, uns beinahe schon fern zu sein scheint, bleibt die menschliche Essenz doch gültig.“

Es ist die Mutter, die vor ihrem Kind kniet und dieses liebevoll für die Schule zurecht macht. Es liegt viel Liebe und auch ein gewisser Ernst in diesem Bild. Und mütterliche Sorge ist hier nicht ängstliches Beschützen und Nicht-Zutrauen, sondern im Gegenteil eine handfeste und ermutigende Geste. „Ich glaube an dich. Ich glaube mit fester Überzeugung daran, dass du deinen Weg gehen wirst. Dass du an deinen Aufgaben wachsen wirst!“

Der Plan von der Abschaffung der Bildung

Es muss im Jahr 1983 gewesen sein. Damals wurde der European Round Table of Industrialists (ERT) gegründet. Bei diesen Treffen sprechen die Vorstandsvorsitzenden der größten europäischen Industrieunternehmen zweimal jährlich über die politischen Leitlinien, darunter solche Firmen wie unter anderem Nestlé, Bayer und Fiat. Von 1987 bis 1999 gab es bereits auch eine Arbeitsgruppe zum Schwerpunkt Bildung.

Das Ziel dieser Treffen bestand darin, einzelne Ideen und Vorschläge, die am Runden Tisch beschlossen wurden, faktisch in Politik umzumünzen. Und schon 1989 waren alle Schlagworte der heutigen Reformen im Bildungsbereich versammelt, ausgearbeitet von den größten Industriellen Europas. So wurde etwa gefordert, die Bürger der EU besser für die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts vorzubereiten, was eine stärkere Zusammenarbeit von Industrie und Bildungseinrichtungen erforderlich machen würde. Zudem wurde dabei betont, wie wichtig das technische und lebenslange Lernen sei.

1995 folgte dann der Report Education for Europeans: Towards the Learning Society. In dem Bericht ist auch von „flexiblen Kompetenzen“ die Rede, von der „Revolution des Lernens“, die durch die massive Einführung von Multimedia und Computer bewirkt wird. Und es wird auch untermauert, wie wichtig es sei, unsere Bildung zu „verbessern“, durch die Einführung von Management-Techniken wie Qualitätsmanagement und autonome Finanzverwaltung. Gleichzeitig wird in diesem Report so getan, als ob diese Entwicklung unabwendbar sei, wenn wir nicht zu Opfern des wirtschaftlichen Abschwungs werden wollen.

Ich beschäftige mich bereits seit vielen Jahren mit dem Thema der Digitalisierung, was deren Einfluss auf die Bereiche Bildung und Arbeit anbelangt. Aber als ich das Buch von Jochen Krautz las – Ware Bildung. Schule und Universität unter dem Diktat der Ökonomie –, kam mir plötzlich ein Gedanke, den ich zuvor so deutlich noch nicht gesehen habe. Vielmehr war es bis dato eher so gewesen, dass sich dieser Gedanke nur zuweilen bruchstückhaft angedeutet hatte, dann aber auch wieder recht schnell verschwunden war oder seine mögliche Durchschlagskraft dadurch verlor, dass sich weitere Gedanken in meinem Kopf ankündigten, die jede klare Linie wieder unterbrachen. Der Mind monkey meldete sich zurück.

Es war der Satz von der Unabwendbarkeit einer bestimmten Entwicklung, in diesem Fall die Behauptung, dass kein Weg an der Digitalisierung der Bildung vorbeiführen würde. „Aber woher nehmen wir eigentlich diese Gewissheit?“, dachte ich mir. Ich verwende für derartige Gewissheiten mittlerweile den Begriff des „realen Konstruktivismus“.

Das ist einfach zu erklären: Wir behaupten einfach, dass eine Entwicklung unabwendbar sei und arbeiten solange an der Verwirklichung, bis die Menschen davon überzeugt sind und die Behauptung bereits für Realität halten. Davon müssen wir die Menschen aber selbstverständlich erst einmal überzeugen. Und diese „Überzeugungsarbeit“ ist in der Tat nicht immer einfach zu bewerkstelligen.

Du denkst vielleicht an „Programmierung“. Wie kann ich dich so programmieren, dass du von etwas überzeugt wirst, was dir zunächst fremd ist? Wie funktioniert das?

Angenommen es gebe so etwas wie einen „Plan zur Abschaffung der Bildung“ in 10 Schritten und die Aufgabe würde darin bestehen, diesen Plan möglichst unbemerkt in die Köpfe der Leute zu bekommen, wie könnte dieser Plan wohl aussehen?

Die Abschaffung der Bildung in 10 Schritten:

  1. Wenn du eine Person oder Organisation von etwas überzeugen willst, von dem sie an sich nicht überzeugt ist, musst du zunächst nach einem wunden Punkt suchen, nach deren Achillesferse. Und dabei ist es ein Segen für dich, wenn du es mit Personen und Organisationen zu tun hast, denen das Geld allmählich ausgeht. Denke dabei beispielsweise an eine öffentliche Schule oder Universität. Nur wenn das Geld allmählich ausgeht, kannst du das notwendige Umdenken endlich in Gang setzen.
  2. Da du aber weißt, dass du deine wahren Absichten nicht preisgeben darfst, trittst du als Wohltäter auf. Du redest also zunächst nicht von „Autonomie und Wettbewerb“, von „leistungsbezogener Finanzierung“ und „Abschaffung des öffentlichen Bildungswesens“, sondern in deiner Rolle als Wohltäter lieber von „Inklusion“, „Chancengerechtigkeit“ und „Demokratisierung von Bildung“.
  3. Wenn dein Ziel darin besteht, zukünftige Generationen bereits in der Kindheit auf eine Tätigkeit im Konzern vorzubereiten, wo du später mit Gleichgesinnten in virtuellen Teams am Monitor zusammenarbeiten wirst, musst du dafür sorgen, dass Schulen und Universitäten möglichst flächendeckend mit digitaler Technologie versorgt werden. Noch besser ist es allerdings, wenn du nicht alleine für die Kosten dieses Change-Prozesses aufkommst, sondern die Kosten dafür so weit wie möglich der Allgemeinheit aufbürdest.
  4. Sollte es Widerstand auf Seiten der Schulen und Universitäten geben, und damit musst du in der Regel rechnen, verweist du immer wieder auf deine großzügigen Spenden, in einer Zeit, in der in den öffentlichen Kassen scheinbar immer weniger Geld vorhanden ist.
  5. Viel wichtiger als die Finanzierung und das Abhängigmachen auf dieser Ebene, ist die ideologische Umprogrammierung. Du weißt bereits sehr genau, wie verunsichert die Menschen heute sind, wie die Angst allmählich immer mehr um sich greift und das Misstrauen immer größer wird. Das sind ideale Startbedingungen für deine Arbeit. Du fängst mit den Eltern an, die sehr besorgt um ihre Kinder sind.
  6. Das Gute daran: Viele der Kinder sind bereits abhängig von digitaler Technologie. Sie können sich ein Leben ohne Smartphone kaum noch vorstellen. Wo die Wachstumsschmerzen bei den älteren Generationen in der flächendeckenden Einführung von digitaler Technologie in der Arbeit und im Bildungswesen noch überproportional zum Gewinn ausfallen, werden diese Wachstumsschmerzen schon bald vergessen sein. Eine goldene Ära wartet auf dich.
  7. Du gehst an die Schulen und Universitäten und fängst an, dort zu unterrichten. Aber alles, was du unterrichtest, ist eigentlich das Gegenteil von dem, was du nach außen vorgibst. Sicherlich gibt es zahlreiche Vertreter deiner Zunft, die dumm genug sind, ihre wahren Ziele ganz plakativ in ihrem Unterricht zu bekunden, aber die wahre Propaganda bleibt meistens unbemerkt. Und dabei berufst du dich darauf, wie wichtig es doch sei, wirtschaftliche Bildung in den Schulen zu vermitteln.
  8. Du weißt, dass dieser Change-Prozess einige Jahre Zeit in Anspruch nehmen wird. Daher hast du in der Zwischenzeit ein zusätzliches Betätigungsfeld für dich entdeckt. Du nennst das „Demokratisierung von Bildung“ und meinst damit eigentlich die Zwangseinführung von digitaler Bildungstechnologie in den Ländern der Dritten Welt. Es geht dir hinter deiner Maske um imperiale Politik.
  9. Da du bereits viele größere Kredite in den Entwicklungsländern vergeben hast, müssen viele Länder deinem Diktat folgen. Und so knüpfst du verschiedene Bedingungen an die weitere Kreditgewährung, wie etwa die Bedingung, Schulen ganz in deinem Sinne zu privatisieren.
  10. Diese Länder sind die ersten, die deine Umerziehung deutlich zu spüren bekommen. Du weißt, dass der internationale Bildungssektor ein riesengroßer noch nicht erschlossener Markt für dich ist, die „Knowledge Economy“, der Handel mit Wissen. Du weißt aber auch, dass es an sich gar nicht so einfach ist, den öffentlichen Bildungssektor auf diesen Markt umzulenken. Wir reden von einem kaum vorstellbaren Geldbetrag, der deine Augen jetzt kolossal zum Strahlen bringt.

Dein Problem: Du unterschätzt die Intelligenz der Menschen, denn im Kern bist du zutiefst primitiv. Du unterschätzt die kommenden Aufstände, die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung, die auch zu deiner Abschaffung beitragen könnten. Denn morgen bist du vielleicht nicht mehr da.

Marcus Klug

Marcus Klug ist als Speaker und Future Work Coach unterwegs. ​Er unterstützt Menschen und Organisationen, im Übergang zum digitalen Zeitalter auf intelligentere Weise zu lernen und zu arbeiten. Dazu hat er auch zusammen mit Michael Lindner das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ geschrieben, welches im März 2017 zum Buch des Monats erkoren wurde. Mehr Infos unter: www.marcusklug.de.

Kommentare (10) Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Marcus,
    der Artikel bringt mich zum Nachdenken. Beim ersten Mal habe ich ihn quergelesen und anschließend noch einmal mit höchster Konzentration. Das ist ganz schön harter Stoff und ziemlich düster. Genau wie das Bild.
    Ich werde ihn noch einmal lesen auf der Suche nach dem Happy-End oder einem Lichtblick irgendwo zwischen den Zeilen.

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  2. Hallo Marcus,
    vielen Dank für den inspirierenden Text, der sehr nachdenklich macht.
    Wie sehr die Industrie Bildung beeinflusst, habe ich bereits im Medizinstudium erlebt. Noch ausgeprägter und offensichtlicher später dann an den verschiedenen Kliniken meiner Facharztausbildung. Das Selbstverständnis mit dem die Pharmaindustrie die Fortbildungen, Kongresse und Vorträge sponsert ist eindrucksvoll. So wird für die „richtigen Themen“ gesorgt. Als junge Ärztin/junger Arzt wächst man in dieses System hinein und weil es alltäglich ist, empfindet man es als normal. Es ist ein geschlossenes System, das sich selbst unterhält. Keiner der Beteiligten hat das Gefühl etwas Unrechtes zu tun.
    Erfreulicherweise gibt es auch Widerstände, zum Beispiel die Initiative MEZIS (Mein Essen zahl ich selbst), um auf die allgegenwärtige Beeinflussung durch die Industrie hinzuweisen. Auch das neue Antikorruptionsgesetz in der Medizin ist schon mal ein Ansatz, nicht weil es das Problem löst, sondern weil es sensibilisiert. Es gibt eine Menge zu tun!
    Herzliche Grüße, Lilian

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    • Hallo Llian,
      zwischen der Bildungsbranche und dem Medizinsektor gibt es sicherlich zahlreiche Parallelen, was Tendenzen zur Industrialisierung anbelangt. Umso erfreulicher, dass es auch Widerstände gibt. Du nennst ja schon einige Beispiele. Vor kurzem habe ich dazu noch einen Blog-Beitrag veröffentlicht, über die Ökonomisierung der Gesundheit an der Schnittstelle zur Versorgung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus. Sicherlich auch für Dich interessant, geht es doch insbesondere um ein sehr zu empfehlendes Buch von einem Mediziner und Ethiker, der sich diese fragwürdigen Entwicklungen im Gesundheitssektor genauer angeschaut hat. Hier der Link für Dich: http://dzd.blog.uni-wh.de/buchempfehlung-diktat-der-zeitoekonomie/#more-13012
      Herzliche Grüße, Marcus

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      • Hey Marcus, vielen Dank für den Link und den Buch-Tipp!
        Mal schauen, wann ich zwischen ICD-Codierung und Leistungserfassung Zeit finde, es zu lesen ;)……..
        LG, Lilian

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  3. Lieber Marcus,

    wie Du meiner Antwort an Deine und Tobias‘ Anfrage entnehmen kannst, bin ich zurzeit kaum in der Lage, ausführliche und tiefgehende Rückmeldungen zu geben. Dennoch: Deinen Text finde ich sehr spannend. In den Schulen wird ja ständig eine „pädagogische Sau“ nach der anderen durchs Dorf getrieben. Jetzt ist es die Digitalisierung bzw. die Medienkompetenz. Kritische Blicke auf diesen Sachverhalt wirken da erfrischend. – Nur eines noch: Das einleitende Bild hat mich nicht neugierig gemacht, sondern wirkte eher abschreckend. Ich musste mich zwingen, mit dem Lesen überhaupt anzufangen.
    Herzliche Grüße und weiterhin viel Erfolg!
    Volker

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  4. Hallo Marcus,

    ein spannender Artikel der zum nachdenken anregt.
    Ich bin der Meinung, dass die Politik sehr bald auf die anstehenden Veränderungen reagieren muss. Aufgrund der Digitalisierung werden immer mehr Jobs wegfallen und nicht durch neue ersetzt werden. Wenn es dadurch für immer mehr Menschen unmöglich wird ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, kommt es zu einer steigenden Unzufriedenheit, die im schlimmsten Fall in einer Revolution endet. Aus meiner Sicht hilft nur das bedingungslose Grundeinkommen.

    Dazu kommt, dass die Schulen die Menschen mehr zum eigenen Denken ausbilden müssen. Was interessieren mich geschichtliche Hintergründe oder die Parabel-berechnung, wenn ich keinen Job habe und auch keinen bekommen werde?

    In der heuigen Bildung muss das eigene Denken, die Kreativität und die Lust am Gestalten gefördert werden. Die meisten Kinder verlieren in der Schule die Lust am lernen und lernen nur für die Noten. Auch im Erwachsenenalter schleppen sich viele lustlos zur Arbeit, weil der Großteil nur für das Geld arbeitet.
    Kleine Kinder sagen doch auch nicht „och ne, schon wieder klettern“. Nein, wir Menschen wollen uns im Leben weiterentwickeln und keativ gestalten.
    Das sollte die Politik merken und nicht das preußische Bildungssystem anwenden, was dazu dient, gute Soldaten und Beamte hervorzubringen.

    Viele Grüße
    Ric

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    • Hallo Ric,

      wenn in der Zukunft 20 bis 50 Prozent der arbeitenden Bevölkerung über keine Jobs mehr verfügen werden, die ein regelmäßiges und möglichst gutes Einkommen garantieren, wird es vermutlich zu massiven Aufständen kommen, wenn kein anderes Instrument wie etwa das Bedingungslose Grundeinkommen eingeführt wird, dass diese Aufstände verhindern könnte. Ich musste in diesem Zusammenhang neulich schmunzeln, als ich ein Interview mit Richard David Precht in der Galore gelesen habe.

      „Die Leistungsgesellschaft, die wir bis heute noch verteidigen, gibt es doch längst nicht mehr. Und der soziale Frieden sollte es uns wert sein, wenn wir eine Arbeitslosenrate von 20 Prozent haben. Ich gehe sogar von 50 Prozent aus (…) Was meinen Sie, was hier los ist, wenn 50 Prozent der Bevölkerung nicht mehr genug Geld in der Tasche haben? Wir müssen den Kreislauf von Brot und Spielen am Leben erhalten.“

      Viele Grüße
      Marcus

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  5. Lieber Marcus,

    der Gedanke an einen Bildungsimperialismus durch Großkonzerne kann aufwühlend sein. David gegen Goliath. Und tatsächlich gibt es überhaupt keinen Gegner, sondern eine Manipulationsmaschinerie, die weismachen möchte, dass digitale Bildung im Sinne unserer Kinder und ihrer Zukunft sei. Es wird vergessen, dass Digitalisierung nicht ein Bildungsziel ist, sondern einfach ein Medium bzw. ein Bündel an digitalen Medien. Aus meiner Sicht ein großartiges Instrumentarium für menschliche Zusammenarbeit, Wissensaustausch, für kreative Informationsgestaltung und vieles mehr. Aber herunter gebrochen besteht die Digitalisierung zunächst aus Technik und Software. Der Wert für eine Gesellschaft erschließt sich nicht aus dem Medium, sondern aus den Inhalten, mit denen die Bildung erst zum Leben erweckt wird. Hilfreich wären menschengerechte Inhalte und keinesfalls industriegerechte.

    Ich muss schmunzeln bei deinem Vergleich, dass die Elektrifizierung von Industrienationen keine elektrische Bildung nach sich zog. Und bei der Digitalisierung? Digitale Bildungslandschaften blühen wohl auch mehr in industrielle Köpfe als dass sie echte Rosen sprießen lassen. Aber es gibt Rosen in vielen Farben und Formen. Ich bin mir sicher, dass wir auf digitalistbesser.org an einigen schnuppern werden. 🙂

    Alles Gute zum Blogstart

    Maja

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    • Liebe Maja,

      du hast den entscheidenden Punkt benannt: „Es wird vergessen, dass Digitalisierung nicht ein Bildungsziel ist, sondern einfach ein Medium bzw. ein Bündel an digitalen Medien“. Infolgedessen liegt es an uns, was wir daraus machen: „ein großartiges Instrumentarium für menschliche Zusammenarbeit, Wissensaustausch, für kreative Informationsgestaltung und vieles mehr“ oder eben ein Instrumentarium, mit dem wir noch mehr Leistungsdruck ausüben, noch mehr soziale Kontrolle und subtile Manipulation. Uns geht es tatsächlich um die „Farben hinter den Schatten“. Aber genau dazwischen liegt ja auch das eigentliche Spannungsmoment …

      Herzliche Grüße und bis bald!

      Marcus

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