Wissenschaftliche Themen in kleinen Häppchen serviert: Interview mit Marco Linder von Neothesus.de

Vor einiger Zeit erhielt ich eine E-Mail von Marco Linder, der zusammen mit Alexander Walz die Plattform Neothesus betreibt. Bei dieser Plattform geht es um Fragestellungen aus der Welt der Wissenschaft, die auf eher unterhaltsame Weise vermittelt werden. Erfahren Sie mehr über Neothesus im Interview mit Marco Linder.

Bei Neothesus dreht sich alles um Fragen und Diskussionen zu wissenschaftlichen Themen. Einzelne Professoren stellen Fragen per Video, die dann von der Community von Neothesus beantwortet werden. Fragen wie u. a. „Sind Finanzmärkte irrational?“ oder auch „Gibt es so etwas wie ein Managementkonzept für glückliche Mitarbeiter?“ Dabei werden die besten Antworten von einzelnen Community-Mitgliedern mit Punkten und Sachpreisen prämiert, um zusätzliche Anreize zu schaffen. Im Interview mit Digitalistbesser erzählt Marco Linder, wie es zur Gründung von Neothesus kam, wie Diskussionen über Wissensfragen entfacht werden können, und wie sich daraus ein Geschäftsmodell ableiten lässt.

Herr Linder, Sie betreiben zusammen mit Alexander Walz die Plattform „neothesus.de“. Beschreiben Sie bitte einmal kurz, worin die Idee zu dieser Plattform besteht, und wie es zur Gründung kam?

Marco Linder: Auf Neothesus präsentieren im Rahmen von Wissenswettbewerben namhafte Professoren wissenschaftliche Fragestellungen per Video. Zudem können die Community-Mitglieder eigene wissenschaftliche Fragestellungen in Textform veröffentlichen. Die besten Antworten werden mit Punkten und Sachpreisen prämiert.

Alexander und ich haben zusammen an der DHBW in Stuttgart studiert und hatten schon während des Studiums den Gedanken, den Weg in die Selbständigkeit zu gehen. So kam eins zum anderen.

Einer Ihrer wesentlichen Ziele ist es, wissenschaftliche Fragestellungen auf unterhaltsame Weise zu vermitteln und darüber zu diskutieren. Sie selbst bezeichnen Neothesus daher auch als „Unterhaltungsplattform auf hohem Niveau“. Welche wissenschaftlichen Themen stehen dabei im Vordergrund?

Marco Linder: Begonnen haben wir mit wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen und mit Themen aus dem Bereich der Informatik. Seit diesem Monat sind alle relevanten Wissenschaftsbereiche auf Neothesus vertreten. So präsentiert beispielsweise Herr Prof. Dr. Stiller vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Fragestellung aus der Technischen Wissenschaft und Herr Prof. Dr. Scheel von der DHBW Stuttgart einen Rechtsfall zum Thema Kündigung.

Welche Fragestellungen von Professoren wurden bis dato am meisten diskutiert? Sind das eher Fragestellungen aus den Wirtschaftswissenschaften und Technischen Wissenschaften oder gerade auch aus anderen Fachgebieten?

Marco Linder: Dies ist schwer zu sagen, da wir noch eine sehr junge Community sind. Der Launch der Plattform war im Mai dieses Jahres. Der Faktor Aktualität spielt natürlich eine wesentliche Rolle für die Aktivität bei einer Fragestellung. Auffällig ist auch, dass Fragestellungen, die auch indirekt die Geistes- und die Sozialwissenschaften betreffen, mehr diskutiert werden. Folglich werden in nächster Zeit auch Professoren aus diesen Bereichen auf Neothesus anzutreffen sein.

Wie binden Sie die Community an Ihre Plattform? Welche Anreize schaffen Sie?

Marco Linder: Die Präsentation spannender Video-Fragestellungen durch namhafte Professoren und natürlich auch die ausgelobten Preise sind Anreize für die Nutzer, die Plattform regelmäßig zu besuchen. So erhalten die besten Antworten einer Fragestellung ein themenbezogenes Buch. Darüber hinaus werden die klügsten Köpfe eines Monats mit größeren Sachpreisen prämiert. So wartet aktuell auf den Monatsgewinner ein Jahresabonnement der Online-Bibliothek „Springer für Professionals“.

Sie arbeiten auch zusammen mit Verlagen. Wie kam es zu derartigen Kooperationen?

Marco Linder: Wir wollten einen zusätzlichen Anreiz schaffen, aktiv bei uns mitzudiskutieren. Die Antworten, die seitens der Community auf Neothesus verfasst werden, sind i.d.R. länger und qualitativ hochwertiger als Beiträge in anderen Foren. Folglich wird auch mehr Zeit in die Beantwortung der Fragestellung investiert. Ein themenbezogenes Buch als Belohung für einen guten Beitrag passt hier sehr gut. Die Verlage sind gegenüber Neothesus sehr offen und stellen uns gerne Exemplare für unsere Wissenswettbewerbe zur Verfügung.

Wie nutzen Sie soziale Medien als Ergänzung zu Ihrer Plattform? Geht es auch dort hauptmäßig um Diskussionsbeiträge, oder sind noch andere Schwerpunkte vorhanden?

Marco Linder: Ein Schwerpunkt sind sicherlich die aktuellen Fragestellungen auf Neothesus. Zudem nutzen wir unsere Social Media Kanäle, um über Neuigkeiten rund um Neothesus, wie beispielsweise unsere Rankingergebnisse, zu berichten. Zusätzlich promoten wir auch die zu gewinnenden Bücher. Aktuell sind wir mit Neothesus auf Facebook, Twitter, YouTube und Xing zu erreichen.

Wie schaffen Sie mit Ihrem Wissensansatz ein tragfähiges Geschäftsmodell?

Marco Linder: Aktuell sind wir noch eigenkapitalfinanizert und haben zunächst das Ziel, die für uns notwendige kritische Masse zu erzielen. Die Implementierung eines geeigneten Geschäftmodells ist dann der nächste Schritt. Hier haben wir auch schon spannende Ansätze im Hinterkopf.

Sie sprachen im Vorfeld auch von Bildungsmarketing und Crowdsourcing. Können Sie Ihr Geschäftsmodell anhand dieser beiden Begriffe noch einmal näher ausführen?

Marco Linder: Mit Bildungsmarketing verbinden wir Angebote für Hochschulen. Diese können sich beispielsweise per Video präsentieren, Masterstudiengänge bewerben oder Stellenangebote ausschreiben.

Das Crowdsourcing würde dagegen Unternehmen betreffen, die sich mit eigenen unternehmensinternen Fragestellungen an die aus Experten bestehende Community wenden können.

Wie bekommen Sie Feedback von Ihrer Community? Welche Erfahrungen konnten  Sie bis dato in dieser Hinsicht sammeln?

Marco Linder: Wir holen uns regelmäßig Feedback seitens der Community ein. So bekommt beispielweise jeder Monatsgewinner einige Fragen gestellt, die wir dann auf Neothesus veröffentlichen. Hin und wieder haben wir auf Neothesus auch Umfragen zu unserer Plattform, an der sich jedes Community-Mitglied beteiligen kann.

Abschließende Frage: Warum sollte man Mitglied bei neothesus werden bzw. sich an einzelnen Diskussionen auf Ihrer Plattform beteiligen?

Marco Linder: Wer den Mut aufbringt, mit seinen Antworten in den Wettbewerb mit anderen Nutzern zu treten, der ist auf Neothesus.de gut aufgehoben – denn breites Wissen und gute Argumentation wird auf Neothesus belohnt. Aber auch passivere Nutzer, welche sich einfach nur für hohe akademische Diskussionen abseits von den üblichen Foren interessieren, sollten zumindest einmal einen Blick auf unsere Fragestellungen werfen – es ist in der Regel für jeden etwas dabei!

Das Interview führte Marcus Klug mit Marco Linder von der Plattform Neothesus.de.

Marcus Klug

Marcus Klug ist als Speaker und Future Work Coach unterwegs. ​Er unterstützt Menschen und Organisationen, im Übergang zum digitalen Zeitalter auf intelligentere Weise zu lernen und zu arbeiten. Dazu hat er auch zusammen mit Michael Lindner das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ geschrieben, welches im März 2017 zum Buch des Monats erkoren wurde. Mehr Infos unter: www.marcusklug.de.

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