Smart Writing: Wie Sie analog und digital auf intelligente Weise kombinieren

Was einmal von Hand geschrieben wurde, bleibt besser im Gedächtnis verankert, so die Gehirnforschung. Wir können das aus eigener Erfahrung nur bestätigen, denn schon im zarten Alter erkunden wir die Welt mit unserem Tastsinn. Anders steht es um das Ablegen von komplexen Informationen, um unser Gedächtnis zu entlasten. In diesem Beitrag wollen wir näher ergründen, wie Sie analog und digital in der Verarbeitung von Notizen auf intelligente Weise miteinander kombinieren: Smart Writing.

Lernen beginnt mit dem Be-greifen. Das ist wörtlich zu nehmen, und wer kleine Kinder genau beobachtet, wird das bestätigen können. Die lernen schon im zarten Alter von einem halben Jahr wirklich komplexe Dinge, indem sie sie einfach stundenlang in den Händen hin und her drehen. Wird der Mensch älter, arbeitet er immer mehr mit dem Kopf. Aber das Lernen, das ist immer noch auf den Greif- und Tastsinn gelegt. Daher wird in der Schule wie an der Universität immer empfohlen, sich handschriftliche Notizen zu machen: Was einmal von Hand geschrieben wurde, ist besser im Gedächtnis als etwas, das mehrfach getippt wurde.

Mehrere Bereiche des Gehirns gleichzeitig ansprechen

Beim Tippen sind die Fingerbewegungen immer recht gleichförmig. An die komplexen Bewegungsabläufe beim handschriftlichen Arbeiten kommen die Bewegungen einfach nicht heran. Das Geschriebene spricht also bei einer Handschrift nicht nur die sprachverarbeitenden Zentren im Gehirn an, sondern auch den sensomotorischen Kortex. Mit dem Stift wird mehr oder weniger das Wort, der Satz, der ganze Text auf dem Papier entlang getastet. Dadurch entsteht ein weitaus tieferer Eindruck als beim bloßen Tippen am Computer. Zudem sind handschriftliche Notizen persönlicher und schöner. Einen weltweiten Trend mit personalisierten Notizen hatte Ryder Carrol ausgelöst. Warum sein Agenda-System besser ist, wird auf seiner Seite bulletjournal.com näher erläutert.

Aber es ist doch unglaublich schwer, handschriftliche Notizen sinnvoll zu verwalten. Das geht digital einfach besser, und ganz ehrlich: Wir sind daran selbst Schuld. Denn in den letzten Jahren hat man sich ja doch sehr daran gewöhnt, nicht mehr in Aktenordnern mit Register nach etwas zu suchen, sondern im Suchfeld des Computers einen Begriff einzutippen und sofort das Gewünschte zu finden. Da liegt es nahe, auch handschriftliche Notizen, Zeichnungen und schnell zu Papier gebrachte Gedanken digital verwalten zu wollen.

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Abtippen kostet zu viel Zeit, warum also nicht gleich digital schreiben?

Digital von Hand schreiben ist das, was eigentlich benötigt wird. Warum muss es unbedingt Papier sein? Mit dem entsprechenden Pen auf dem Touchscreen vom Handy, auf dem Tablet oder einem speziellen Pad ist das immerhin möglich. Die Handschrift wird erkannt, der Text oder das Bild als solches digitalisiert. Einziger Nachteil: Es ist alles nur digital vorhanden. Eine Papiernotiz für den Nachtisch, in die Hosentasche oder zum Überarbeiten gibt es nicht. Man ist also wirklich an das Gerät gebunden und muss auch in der Folge alle Änderungen digital vornehmen.

Diese Systeme gibt es in vielfältiger Form und von ganz unterschiedlichen Herstellern. Meist drehen sie sich um einen Pen unterschiedlicher Herstellers und eine App für mobile Endgeräte. Die Qualität und die Funktionsweise von Pen und Apps variieren stark, einige harmonieren gut miteinander und lassen sich einfach bedienen, andere sind einfach nur untauglich.

Ein weiterer Kritikpunkt, der häufig angesprochen wird, ist die Handschrifterkennung. Nicht alle Systeme funktionieren gut, und vor allem die Berührungspunkte von Handballen und Handkante können die Notizen ruinieren. Dazu kommt, dass es sich auf dem Tablet einfach nicht gut schreibt, die Oberfläche ist für eingefleischte Schreiber/-innen unangenehm und ungewohnt hart. Und natürlich hat man aus ästhetischen und kinästhetischen Gründen lieber ein Notizbuch aus Papier dabei. Einige Universitäten bestehen sogar darauf, dass die Seminare und Vorlesungen ohne elektronische Unterstützung besucht werden.

Papierene Notizbücher mit digitaler Unterstützung

Neolab und Moleskine haben Notizbücher aus Papier entwickelt, die mit dem entsprechenden Pen und einer jeweils eigenen App die handschriftlichen Notizen aller Art in den digitalen Raum übertragen. Die Handschrifterkennung soll sehr gut funktionieren, es kommt selten zu Fehlinterpretationen. Und die Stifte funktionieren über eine kleine Kamera über der Schreibmine, die die Schreib- und Zeichenbewegungen aufnehmen und übertragen.

Die Hardware ist also noch einmal eine andere als bei den bisherigen digitalen Pads, die Fehlerquote ist dementsprechend eine andere. Der Stift von Moleskine ermöglicht sogar die Übertragung von Audiomaterial zu den gemachten Notizen und Skizzen. Der Haken liegt im Preis: Moleskine Notizbücher sind etwas kostenintensiver. Wird der Pen von Moleskine mit Notizbüchern vom kooperierenden Unternehmen Neolab verwendet, muss auch die App von Neolab verwendet werden, die sich in den Funktionen etwas unterscheidet.

Schnelles Digitalisieren über Sprache

Es gibt seit einigen Jahren Versuche, Spracherkennungsprogramme so weit zu perfektionieren, dass Handschriften komplett hinfällig werden. Dragon Naturally Speaking ist das vermutlich bekannteste Beispiel dafür.

Diese Software soll den Zeitaufwand bei Vielschreibern und -schreiberinnen im Rahmen halten, leicht anwendbar sein und dadurch außerdem einen barrierefreien Zugang zu digitalen Schriftformaten bieten. Für Menschen mit einer Lese- und Rechtschreiblegasthenie beispielsweise, aber auch für Menschen mit Sehschwächen sind diese Systeme eine große Hilfe.

Für die Digitalisierung und Weiterverarbeitung von Notizen, längeren Mitschriften und anderen Texten war aber bislang einfach der Aufwand der Nachkorrektur zu groß. Die Spracherkennungsprogramme müssen lange trainiert werden, um den Wortlaut wirklich deutlich zu erfassen, und natürlich müssen Sprecher oder Sprecherin extrem deutlich sprechen. Dazu kommt, dass man natürlich nicht immer und überall sprechen kann und Graphiken sich auch nur schwer in reine Sprache fassen lassen.

Und nach dem Schreiben?

Sind Notizen und Graphiken erst einmal im Computer, müssen sie auch irgendwie verwaltet und organisiert werden. Eine Möglichkeit dafür bietet Evernote, das Programm kann sich die Notizen und alles weitere direkt aus der App von Moleskin und Neolab holen. Hohe Kompatibilität und die Möglichkeiten, alles nachzubearbeiten, zu verändern, per E-Mail zu versenden und so weiter sind attraktiv. Andere Möglichkeiten sind OmniOutliner, LaTex und dergleichen. Wer mehr Graphiken und Skizzen anfertigt, wird mit Tayumi Sketches schon sehr weit kommen.

Allerdings haben Programme wie Evernote immer noch ein Image-Problem. Die Notizen werden in der Cloud gespeichert, so dass sie überall und auf allen Geräten verfügbar sind. Gut ist dabei, dass die Übertragung angeblich sicher erfolgt und eine Authentifizierung über Passwort und zusätzlich über eine auf das Mobilfunktgerät gesendete Nummer nötig ist. Anders ist der Zugriff nicht möglich. Wer trotzdem Bedenken hat, kann auch bei Evernote lokale Speicher benutzen und hat dann eben nur lokalen Zugriff auf die Notizen.

Andere Bedenken betreffen die Zukunft der Unternehmen. Was, wenn die Systeme irgendwann einfach eingestellt werden, aus finanziellen Gründen beispielsweise? Bislang sieht es so aus, als wäre es nicht möglich, die gesamte Organisation aus einem digitalen System in ein anderes zu übertragen. Aber bislang sieht es auch so aus, als wäre insbesondere Evernote nicht nur finanziell auf solide Beine gestellt, sondern als würde hier die Zukunft liegen.

Die digitalen Notizen scheinen also eine sichere Angelegenheit zu sein, wenn man die passende Anwendung für sich findet.

Marcus Klug

Marcus Klug ist als Speaker und Future Work Coach unterwegs. ​Er unterstützt Menschen und Organisationen, im Übergang zum digitalen Zeitalter auf intelligentere Weise zu lernen und zu arbeiten. Dazu hat er auch zusammen mit Michael Lindner das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ geschrieben, welches im März 2017 zum Buch des Monats erkoren wurde. Mehr Infos unter: www.marcusklug.de.

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