Wie Sie regelmäßig Blogposts schreiben

Digitales Marketing klingt auf den ersten Blick einfach. Mit einer eigenen Webpräsenz gewinnen Sie neue Kunden und steigern Ihren Umsatz. Eine große Herausforderung, vor allem für Solo-Selbständige, liegt darin regelmäßige Inhalte zu produzieren. Bei diesem Ziel hilft Ihnen ein strukturiertes Vorgehen. Mit ein paar einfachen Schritten können Sie sehr viel einfacher regelmäßig Inhalte produzieren.

Die meisten Artikel zur Blogerstellung konzentrieren sich auf technische Details, oder auf Fragen des Designs und des Marketings. All das ist wichtig, wenn Sie über Ihre Webseite gefunden werden wollen. Als Solo-Selbständiger liegt aber häufig die größte Herausforderung darin, regelmäßig Inhalte für eine Webseite zu produzieren. Das gilt noch mehr, wenn Sie kein vollständig digitalisiertes Produkt haben und noch andere Tätigkeiten koordinieren müssen. Ich habe dieses Phänomen einmal digitales Halbnomadentum genannt, da ich zum Beispiel mein Geld mit klassischen Seminaren verdiene und neben meinen digitalen Tätigkeiten Zeit für Präsenzveranstaltungen planen muss.

Wenn Sie beispielsweise einen Blog regelmäßig mit Inhalten füllen möchten, sind Sie sehr schnell bei 30 bis 50 Artikeln pro Jahr, je nachdem, welchen Rhythmus Sie bevorzugen. Wenn Sie etwas ehrgeizig sind und nicht nur kurze Mitteilungen senden wollen, sondern längere Artikel mit 800 bis 1000 Wörtern, kommt einiges an Arbeit auf Sie zu. Das ist zwar zu schaffen, aber gerade wenn viele Termine zusammenkommen, kann es zu einer richtigen Herausforderung werden, einen Blog aktuell zu halten. Es gibt ein paar Methoden, mit denen Sie sich die Arbeit einfacher machen und auch in stressigen Phasen dazu kommen, Inhalte zu produzieren.

1. Eine verlässliche Vorausplanung

Eine gute Vorausplanung ist die Voraussetzung für einen gut laufenden Blog. Wenn Sie Ihre Artikel vorausplanen, hilft das enorm dabei, die Arbeit zu strukturieren. Generell muss eine Artikelplanung nicht sehr ausgefeilt sein. Hilfreich ist, wenn Sie eine Art von Redaktionsplan für die nächsten Monate anlegen. Das kann auch nur eine Liste in Word sein, so habe ich lange Zeit meine Blogartikel geplant. Inzwischen nutze ich die Outlinerfunktion von Scrivener (siehe unten). Diese kleine Planungsgewohnheit macht es sehr viel einfacher, zielgerichtet an Ihrem Blog zu arbeiten.

Sie sammeln zum einen Ihr Material zielgerichteter, mir hilft diese Planungsgewohnheit auch dabei, regelmäßig Artikel zu produzieren. Ich kann sehr viel einfacher meine Zeit planen und mir Zeitfenster für das Schreiben schaffen. Gerade bei Wochen mit vielen Terminen hilft eine verlässliche Vorausplanung dabei, gezielter Artikel zu schreiben oder Bilder und Quellen zu suchen.

2. Die Sammelgewohnheit

Machen Sie Recherche und Ideensammlung zu Ihren Themen zu einer Gewohnheit! Mit einem Plan für die nächsten Themen bekommen Sie eine Richtung für die Recherche und Ideensuche, Sie können die Recherche für Artikel einfach auch etwas nebenher laufen lassen. Ich nutze dafür das Tool Evernote, genausogut können Sie aber andere digitale Notiztools einsetzen.

Mit diesen Tools können Sie auf dem Smartphone Ideen oder Webseiten ablegen. Ich sammle zum Beispiel gerne Einfälle und Links für kommende Artikel in einen Evernoteordner. Ideen kommen häufig auch in Phasen mit geringer Konzentration. Der berühmte Einfall unter der Dusche oder in der U-Bahn lässt sich mit einem digitalen Tool schnell festhalten. Wenn Sie die Ideensammlung und Recherche zur Gewohnheit machen, haben Sie immer Material zur Verfügung, aus dem Sie dann Ihre Inhalte gestalten.

3. Professionelle Schreibtools

Wenn Sie einen Blog schreiben, lohnt es sich, professionelle Schreibprogramme zu nutzen. Word ist zwar der Standard für Schreibarbeiten geworden, gerade aber für längere Texte gibt es professionelle Schreibprogramme, die einen größeren Komfort bei der Planung und Textstrukturierung bieten.

Die Schreibprogramme Ulysses, nur für den Mac, und Scrivener sind für Autoren entwickelt worden, die längere Texte erstellen. Beide Tools sind bei Schriftstellern und Journalisten beliebt. Die Programme bieten viele Möglichkeiten, Texte zu organisieren und zu planen, die Word einfach nicht hat. Bei Scrivener legen Sie ein Schreibprojekt an und innerhalb dieses Projektes können Sie Ordner und Textfragmente erstellen, organisieren, verschlagworten und mit Notizen versehen. Jeder Text ist gleichzeitig auch eine Karteikarte, die Sie mit Notizen und Schlagwörtern versehen können. Sie können also Metainformationen zu Ihren Texten nutzen. Das ist für Blogs interessant, da Sie so sehr einfach Ihre Artikel oder verschiedene Themen organisieren.

Professionelle Schreibtools bieten noch mehr, Sie können in einen ablenkungsfreien Modus schalten, Scrivener unterstützt Markdown. Eine ausführliche Darstellung zu Scrivener für Blogs finden Sie auf den Seiten von Jennifer Mattern, einen Überblick und Vergleich zu verschiedenen Schreibtools finden Sie auf der Seite zu WriterApps.

Prinzipiell sollte man an Tools pragmatisch rangehen, wenn Sie gut mit Word arbeiten, bleiben Sie dabei. Wenn Sie aber viel und regelmäßig schreiben, ist es sinnvoll, sich Gedanken über Programme zu machen, mit denen Sie effizient schreiben.

4. Konzentrierte Arbeitsphasen

Konzentration scheint heute in einer digitalen Welt zu einem seltenen Gut zu werden. Wir sind häufig abgelenkt durch Medien, andere Kollegen und dem alltäglichen Klein-Klein. Es ist kein Geheimnis, dass ständige Ablenkungen ein Produktivitätskiller sind. Vor allem, wenn Sie etwas produzieren oder konzentriert erarbeiten, werden Sie nicht weiterkommen, wenn Sie ständig abgelenkt sind.

Cal Newport hat in seinem neuen Buch mit dem Titel Deep Work den Nutzen von konzentrierten Arbeitsphasen gerade heute herausgearbeitet. Viele sehr erfolgreiche Menschen, die große Leistungen erbringen, schaffen das dadurch, dass Sie regelmäßig sehr fokussiert arbeiten und Ablenkungen minimieren.

Beispiele sind Bill Gates, Barack Obama aber auch Wissenschaftler und Schriftsteller wie Darwin und Thomas Mann. Wenn Sie regelmäßig Inhalte erstellen wollen, dann ist es sinnvoll, dass Sie sich für das Schreiben, für die Konzeptarbeit oder die Filmarbeit konzentrieren und sich voll Ihrer Aufgabe widmen.

Das muss keine extreme Phase des Rückzugs bedeuten, konzentriertes Arbeiten lässt sich auch in den Berufsalltag integrieren, indem Sie vordefinierte Phasen der Woche für fokussierte Arbeit nutzen oder täglich, in einer kürzeren Einheit, Ihre Konzentration einer wichtigen Aufgabe widmen.

5. Standardisierte Arbeitsschritte

Wenn Sie regelmäßig schreiben und etwas produzieren, hilft es meistens, wenn Sie Ihre Arbeitsschritte standardisieren. Gerade um das Schreiben ranken sich viele romantische Vorstellungen, die einfach nicht zutreffen.

Viele produktive Schreiber, im fiktionalen und nichtfiktionalen Bereich, sind häufig Gewohnheitstiere, die Ihren Schaffensprozess eine feste Form geben. Anstatt auf die Inspiration zu warten, haben Sie feste Regeln für das Schreiben und gehen in einem hohen Maß standardisiert vor. Thomas Mann oder Raymond Chandler waren bekannt für ihren formalisierten Schreibprozess.

Ein planloses Vorgehen beim Schreiben ist häufig auch wenig effizient. Wenn Sie zwischen verschiedenen Arbeitsschritten hin und her springen, wird ihre Arbeit weniger fokussiert und weniger produktiv. Mit der Sammelgewohnheit und der Vorausplanung haben Sie schon zwei Standardschritte, um gezielter Inhalte zu produzieren. Beim Schreiben halte ich das folgende Vorgehen für sinnvoll:

  1. Planung der Struktur eines Artikels,
  2. Schreiben der Erstfassung,
  3. Überarbeitung,
  4. Schlusskorrektur und
  5. Bildersuche.

Ein professionelles Schreibprogramm unterstützt ein solches strukturiertes Vorgehen. Die Strukturierungsfunktion von Scrivener ist eine große Hilfe dabei, einzelne Blogartikel besser zu organisieren und die verschiedenen Phasen des Schreibens zu strukturieren. Alle Artikel in der Strukturierungsphase und der Erstfassung, lassen sich mit Labels und Farben markieren. Auch die überarbeiteten Fassung können Sie so sehr einfach markieren. In der Kateikartenansicht können Sie Links und die Struktur sehr übersichtlich zusammenstellen.

Diese fünf Schritte müssen nicht notwendig hintereinander stattfinden. Gerade wenn Sie viel Text produzieren, ist es manchmal sinnvoll, geblockt an der Planung und Strukturierung mehrerer Artikel zu arbeiten. Die Bildersuche ist auch eine Aufgabe, die sich gut nebenher erledigen lässt und bei der Sie geblockt Bilder für die nächsten Artikel suchen. Entscheidend ist, sich klar zu werden, woran man jetzt genau arbeitet.

Mit einem strukturierten Ansatz beim Schreiben wird Ihre Textproduktion einfacher und produktiver.

Michael Lindner

Dr. Michael Lindner ist Dozent für die Themen Selbstmanagement, Informationsmanagement und Wirtschaftsethik und Corporate Social Responsibility. Er gibt Workshops und Seminare und unterstützt Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen in Fragen der Selbstorganisation und dem effizienten Umgang mit dem Web 2.0. Treten Sie mit Michael Lindner in Kontakt. Sie interessieren sich für einzelne Seminarangebote? Hier geht es zu den Seminarangeboten. →

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