Tatort-Wissenschaft und Co. Neue Wege der Wissenschaftskommunikation

Kommunikationsformen wie u. a. Blogs oder kompakte Videos auf YouTube zu komplexen Sachverhalten aus der Wissenschaft tragen dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dabei sind die Möglichkeiten in der multimedialen Vermittlung von Wissen im Internet noch lange nicht erschöpft.

Als ich neulich auf den Twitter-Kanal des Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) unterwegs war, fiel mir ein Tweet von Henning Krause auf. Krause hatte in seinem Tweet auf das aktuelle didacta-Magazin verwiesen. Die Didacta ist ein Magazin, das sich mit medialen und pädagogischen Fragestellungen auseinandersetzt. Dabei gibt es in jeder neuen Ausgabe einen anderen thematischen Schwerpunkt. Die Ausgabe, die in diesem Beitrag im Mittelpunkt steht, ist die Ausgabe 3 / 2013: Themenschwerpunkt „Wissenschaftskommunikation“.

Welche Möglichkeiten gibt es im Internet, auf originelle Weise wissenschaftliche Inhalte einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen? Welche Formate lassen sich entdecken? Und auf welche Medien wird dabei gesetzt? Genau um solche Fragen soll es in diesem Beitrag gehen, angelehnt an den Artikel „Mehr Durchblick“ von Kaja Godart (hier der Link zu diesem Beitrag, ab S. 6) aus der didacta zum Themenschwerpunkt „Wissenschaftskommunikation“.

Blogs und soziale Netzwerke für die Wissenschaftskommunikation

Während hierzulande die Wissenschaftskommunikation in den sozialen Medien noch ein eher stiefmütterliches Dasein fristet, ist die USA bereits Vorreiter in diesem Bereich. Beispiel: YouTube-Video zum Vortrag von der Soziologin Sherry Turkle auf der TED-Konferenz im März 2012.

Ich selbst arbeite seit Juli 2012 am Dialog- und Transferzentrum Demenz an der Universität Witten/Herdecke, wo ich mich hauptmäßig mit den Möglichkeiten des digitalen Wissenstransfers beschäftige: Erkenntnisse aus der Demenz- und Versorgungsforschung werden sowohl an professionelle Pflegekräfte als auch an pflegende Angehörige und beratende Personen vermittelt.

Newsletter: Morgen weiß ich mehr

In unserem "Morgen weiß ich mehr"-Newsletter erhalten Kopfarbeiter und Kreative regelmäßig hochwertige Impulse zu der Frage, wie der digitale Wandel dazu genutzt werden kann, intelligenter zu lernen und zu arbeiten. Den Anfang macht ein kostenfreies E-Book mit 50 praktischen Impulsen.

Dabei merke ich bei meiner Arbeit als Kommunikationswissenschaftler und Blogger sehr häufig, dass die Öffentlichkeit durchaus an wissenschaftlichen Erkenntnissen interessiert ist, wenn diese allgemein verständlich und anschaulich gestaltet sind.

Zudem erreichen Sie wesentlich mehr Zielgruppen, wenn Sie Inhalte auf unterschiedliche Weise medial aufbereiten: Sei es in der Form von einzelnen Blog-Serien zu grundlegenden Erkenntnissen aus verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten (etwa zu der Frage, wie unser Gehirn anatomisch aufgebaut ist), kurzen Videos, die komplizierte Sachverhalte auf eine recht schnelle und einfache Art erklären (z. B. mögliche Ursachen für die Finanzkrise), oder auch Vorlesungen als Podcast (etwa „Philosophie: Was ist das gute Leben?“).

In dem Beitrag aus der didacta wird auf diese Möglichkeiten eingegangen. Allerdings ist der Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen über soziale Medien in Deutschland noch eher eine Nische, eine Art von Experimentierlandschaft.

So wird beispielsweise in dem Beitrag in der didacta u. a. angemerkt, dass nur wenige Filme auf YouTube von deutschen Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen zu finden sind. Als äußerst anregend fand ich vor diesem Hintergrund beispielsweise den Kanal von dasGehirnInfo auf YouTube, in dem sich u. a. solche Video-Beiträge wie „Die Intelligenz der Bienen“ entdecken lassen.

Sehr empfehlenswert ist auch das webTV der dctp: Gegründet von Alexander Kluge. Auch wenn es sich hierbei nicht um ein wissenschaftliches Institut handelt, was sich für die Inhalte verantwortlich zeigt, finden Sie auf dieser Plattform etwa unter „Gärten der Neugierde“ viele grundlegende wissenschaftliche Themen wie u. a. „Darwin und kein Ende“, die sehr anschaulich aufbereitet sind.

Bei jedem wissenschaftlichen Thema stellt sich zunächst die Frage, wie sich dieses am besten erläutern und medial darstellen lässt. Solche grundlegenden wissenschaftlichen Fragestellungen, etwa wie komplexes Lernen funktioniert, wie Menschen Ziele erreichen können und was die Persönlichkeitspsychologie dazu sagt, oder auch einzelne Studien aus der Ernährungswissenschaft, die uns darüber aufklären, was gesunde Ernährung ausmacht.

Von bloggenden Wissenschaftlern und anderen interessanten Initiativen

Welche konkreten Beispiele für gelungene Wissenschaftskommunikation werden in dem Beitrag in der didacta genannt? Welche Initiativen und Institute gibt es in diesem Bereich?

  • Die Plattform ScienceBlogs: das deutsche Pendant zu eine der größten internationalen Plattformen bloggender Wissenschaftler: www.scienceblogs.com. Für den deutschen Ableger schreibt u. a. der promovierte Astronom Florian Freistetter. Freistetter hat bereits mehr als 3000 Blogbeiträge verfasst. Zu seinen beliebtesten Beiträgen gehört die Serie Tatort-Wissenschaft. Die Idee zu dieser Serie beschreibt Freistetter dabei wie folgt: „Während die Kriminalkommissare und ihre Assistenten durch die deutschen Städte ziehen und Morde aufklären, findet um sie herum jede Menge Wissenschaft statt. Meistens bemerken sie es nicht – aber genau dafür gibt es meine Artikelserie“.
  • Die Berliner Initiative „Wissenschaft im Dialog“, der es darum geht, „die Diskussion und den Austausch über Forschung in Deutschland zu fördern“. Dabei wird u. a. auf das Format Ausstellung gesetzt, um die Faszination für einzelne Forschungsthemen im direkten Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern zu entfachen. Als Beispiele für derartige Aktionen werden auf der Internetseite der Initiative u. a. das Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“ oder die Ausstellung „ScienceStation“ genannt.
  • Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation: Diese Institut bietet Workshops und Seminare für Wissenschaftler an, um zu lernen, wie Fachwissen auf eine verständlichere Weise vermittelt werden kann und wie Wissenschaftler mit der Öffentlichkeit über das Web 2.0 kommunizieren können. Zu diesen Seminaren gehören etwa ein Schreibseminar, ein Seminar zur Wissenschaftskommunikation oder ein Medienseminar. Hier finden Sie einen Überblick über das Angebot.

Das nächste Vorhaben: eine Serie zum Wissenstransfer 2.0 

Die Lektüre des Artikels „Mehr Durchblick“ in der didacta hat mich auf die Idee gebracht, in nächster Zeit eine Serie auf diesem Blog zu der Frage zu starten, worauf es eigentlich in der Kommunikation und Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen im Social Web ankommt.

Dabei werden wir uns vor allem mit einzelnen Medien und Formaten der Wissenschaftskommunikation beschäftigen: etwa mit Blogs, Videos, Vorlesungen als Podcast, Twitter, Facebook und selbstverständlich mit der Frage, wie man wissenschaftliche Inhalte auf anschauliche und unterhaltsame Weise vermitteln und präsentieren kann.

Seien Sie also gespannt auf diese neue Reihe auf digitalistbesser.org!

Text: Marcus Klug

Marcus Klug

Marcus Klug, geboren 1977, ist Redner, Blogger und Autor. Neben seiner Tätigkeit als Blogger und Formatentwickler für das Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke hat er bereits vor über zwei Jahren damit begonnen, zusammen mit Michael Lindner das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ zu schreiben, welches im März 2017 zum Buch des Monats erkoren wurde. Das Sachbuch bildet die Basis zu einem eigenen Expertenprogramm als Speaker: „Wissensabenteuer für die digitale Zukunft“. Mehr Infos unter: www.marcusklug.de.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.