Selbstmanagement einmal anders: Scheitern inbegriffen

In den meisten Ratgebern zum Thema „Selbstmanagement“ erfährt man nur wenig über das Scheitern von Plänen und Projekten. Die Literatur dazu handelt von Erfolg, vom Gelingen und Steigerung der Effizienz. Häufig wird das noch mit der persönlichen Geschichte des Autors verknüpft. Der Autor beschreibt, wie er aus Chaos und Desorganisation zu einem effizienten Arbeits- und Lebensstil gefunden hat.

Dabei bleibt wenig Raum für die Erfahrung des Scheiterns. Scheitern ist einfach eine Tatsache des Lebens, mit der man irgendwie umgehen muss. Meiner Ansicht nach sollte Selbstmanagement zu diesem Thema etwas zu sagen haben. Scheitern klingt meistens ziemlich dramatisch, muss es aber nicht sein. Fehlschläge erfährt man auch, wenn man keine Biographie wie Abraham Lincoln hat, der mehrmals im Leben neu beginnen musste und viele Jahre sehr erfolglos seine politische Karriere verfolgte. Es gibt auch das kleine Scheitern. Ein Projekt funktioniert nicht, die Zeitplanung läuft aus dem Ruder, oder ein sicher geglaubter Kunde springt plötzlich ab und die Dinge  laufen – trotz Selbst- und Zeitmanagement – ganz anders als geplant.

Wie geht man am besten mit solchen Situationen um? Wichtig scheint es mir zu sein, im Scheitern produktiv zu sein, also „besser Scheitern“, wie es Samuel Beckett einmal formulierte. Das bedeutet für das Selbstmanagement, dass man sich zum einen organisatorisch mit der neuen Situation auseinandersetzen muss. Ein Fehlschlag schafft eine neue Situation, die neue Ziele und Arbeitsschritte erfordern kann. Zweitens ist es wichtig, mit dem negativen Gefühl des Scheiterns produktiv umzugehen. Die negativen Gefühle durch einen Fehlschlag können sich stark auf die Arbeitsmotivation auswirken und damit auch das Gelingen anderer Projekte gefährden.

Ich glaube es gibt ungefähr vier Punkte, die hilfreich sein können, um besser und produktiver zu scheitern:

  • Das Scheitern akzeptieren. Das ist ziemlich wichtig und manchmal nicht ganz so einfach. Aber um zu verhindern, dass die Aufmerksamkeit auf das negative Ereignis gerichtet bleibt, ist es wichtig, den Fehlschlag anzuerkennen und dann abzuhaken. Das bedeutet, sich klarzumachen, dass das Projekt, die Planung oder das Wochenziel einfach nicht erreicht werden. Punkt.
  • Umorganisation. Für die Tagesplanung oder Wochenplanung bedeutet Scheitern eine Umorganisation von Aufgaben. Manchmal kann sich durch einen Fehlschlag die Menge der Arbeit schlicht verringern. Wenn ein Projekt scheitert, erledigen sich auch die Arbeitsschritte, die zu tun wären. Wichtig ist es, in dieser Phase wirklich neue Ziele zu definieren und aktiv zu verfolgen. Welche weiteren Ziele habe ich? Was blieb die letzte Zeit liegen? Was ist sonst noch wichtig für mich? Neue Aufgaben und Ziele und vor allem neue Erfolgserlebnisse helfen beim Umgang mit dem Scheitern.
  • Mit negativen Emotionen umgehen. Häufig reicht es nicht aus, sich auf etwas Neues zu konzentrieren. Scheitern kann in manchen Fällen stark am Selbstbewusstsein nagen. Deshalb ist es auch wichtig, aktiv mit den eigenen negativen Emotionen umzugehen. Gegen negative Emotionen können verschiedene Tätigkeiten hilfreich sein. Sport ist eine gute Möglichkeit, die Gefühle rauszulassen; für mich persönlich spielt Meditation eine große Rolle. Genauso kann der Austausch mit Freunden dabei helfen, sich nicht unterkriegen zu lassen und produktiv zu bleiben.

Scheitern kann auch neue, kreative Ideen freisetzen.

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  •   Augen auf für Neues! Der Satz von der Chance in der Krise ist schon ziemlich abgedroschen, aber der Punkt ist dennoch wichtig. Das Problem mit dem Scheitern ist häufig nicht so sehr der Fehlschlag. Sondern das Scheitern wird zum Problem, wenn man an alten Überzeugungen und Mustern festhält. Sinnvoller scheint es zu sein, aus dem Scheitern zu lernen. Warum hat es nicht funktioniert? Welche Ansichten von mir sind einfach fehl am Platz? Und wo gibt es neue Chancen und Möglichkeiten für mich?

Text: Michael Lindner

Michael Lindner

Dr. Michael Lindner ist Dozent für die Themen Selbstmanagement, Informationsmanagement und Wirtschaftsethik und Corporate Social Responsibility. Er gibt Workshops und Seminare und unterstützt Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen in Fragen der Selbstorganisation und dem effizienten Umgang mit dem Web 2.0. Treten Sie mit Michael Lindner in Kontakt. Sie interessieren sich für einzelne Seminarangebote? Hier geht es zu den Seminarangeboten. →

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