Martin Böhme: Konzentration

„Konzentration. Voraussetzungen und Stellschrauben für geballte Aufmerksamkeit“ – von Martin Böhme – Berlin: Cornelsen Verlag, 2008 – 118 S. – ISBN: 978-3589238255 – 6,95 €

Zum Thema „Konzentration“ im Bereich Arbeitsorganisation gibt es nur sehr wenig Literatur. Zumeist handelt es sich um psychologische Fachbücher oder um Werke, in denen es um Gedächtnistraining und Lerntechniken geht. In dem vorliegenden Buch erfahren Sie auf sehr anschauliche und kompakte Art, wie Sie optimale Bedingungen für konzentriertes Arbeiten schaffen.

Es gab wohl kaum Zeiten, in denen die Möglichkeiten zur Ablenkung und die Verlockungen, die mit der digitalen Welt einhergehen, so groß wie heute waren. Denken Sie nur an all die Technologien und Kommunikationsmedien, die Sie sowohl privat als auch beruflich nutzen können: etwa Smartphones, Tablet PCs, E-Book-Reader, Twitter oder Facebook.

Umso wichtiger ist es, sich genauer darüber klarer zu werden, wie es um Ihr eigenes Konzentrationsvermögen steht. Martin Böhme hat dazu einige Fragen formuliert, die eine Bestandsaufnahme darstellen. Hier einige Beispiele seiner Fragstellungen, um ein persönliches Konzentrationsprofil zu erstellen:

1. Welche Bedingungen erleichtern es Ihnen, konzentriert zu arbeiten?

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  • Gibt es Themen, auf die Sie sich besonders gut konzentrieren können?
  • Wann (zeitlich) gelingt Ihnen Konzentration am besten?
  • Gibt es Räumlichkeiten, in denen Sie sich besonders gut konzentrieren können?

2. Wann fällt Ihnen Konzentration schwer?

  • Welche Bedingungen erschweren Ihnen, konzentriert zu arbeiten?
  • Welche Art von Arbeit behindert Ihre Konzentration?
  • Gibt es Themen, auf die Sie sich besonders schlecht konzentrieren können?

3. Unter welchen Bedingungen können Sie sich auf jeden Fall konzentrieren?

Die Beantwortung solcher Fragen hilft Ihnen dabei, genauer zu erfahren, was Sie persönlich für ein Konzentrationstyp sind. So können beispielsweise Medien und Geräusche die Konzentrationsfähigkeit stark beeinträchtigen. Es gibt Menschen, die sich auch bei einer stärkeren Geräuschkulisse weiterhin gut konzentrieren können, während andere Personen mehr Ruhe und geräuschisolierte Räume zum Arbeiten benötigen.

Durch die Rasanz der Entwicklung digitaler Technologien besteht die zukünftige Herausforderung in der Organisation am Arbeitsplatz darin, die Konzentrationsfähigkeit trotz erhöhter Ablenkungsmöglichkeiten weiter zu kultivieren und die Veränderung von Rahmenbedingungen genauer zu hinterfragen, die durch zahlreiche technologische Neuerungen vorangetrieben werden. Hier gilt es speziell im Umgang mit Informationen Ruhe zu bewahren und sich nicht zu stark unter Druck zu setzen.

Ein wichtiger Begriff ist in diesem Zusammenhang die „geteilte Aufmerksamkeit“. Diese benötigen Sie, wenn Sie zwei oder mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen müssen. Dabei ist es ein Trugschluss zu glauben, dass bei der Erledigung von mehreren Aufgaben alleine die Fähigkeit zum Multitasking der Schlüssel sei. „Geteilte Aufmerksamkeit“ bedeutet gerade vor diesem Hintergrund, dass die begrenzte Konzentrationsfähigkeit auf verschiedene Aufgabenstellungen verteilt wird. Mehrere Aufgaben können also nur dann erfolgreich erledigt werden, wenn Teile dieser Aufgaben bereits soweit verinnerlicht und automatisiert sind, so dass der Rest problemlos nebeneinander ausgeführt werden kann. Wenn Sie dagegen vor einer sehr anspruchsvollen Konzentrationsübung stehen, ist eine parallele Verarbeitung kaum noch möglich.

Neben den bereits genannten Faktoren sind sicherlich auch bewährte Strategien und Methoden beim Konzentrieren hilfreich. Erstellen Sie für jeden Tag einen Plan, und zwar schriftlich. Priorisieren Sie die Aufgaben, die Sie zu erledigen haben nach Ihrer Wichtigkeit und führen Sie Protokoll darüber, was Sie schon erledigt haben und was nicht. „Planen ordnet die Gedanken“, so Böhme. Und dieses Ordnen der Gedanken trägt entscheidend zum mentalen Wohlbefinden bei. Dabei stellt Martin Böhme verschiedene Prinzipien und Methoden vor, u. a. das Eisenhower-Prinzip.

Flow: Das Gefühl der völligen Vertiefung

Zum Schluss möchte ich noch auf einen Abschnitt in dem Büchlein von Böhme zu sprechen kommen, in dem es um die Frage geht, wann eine gute bis sehr Konzentrationsleistung erzielt werden kann, ohne die persönliche Belastungsgrenze dauerhaft auf die Probe zu stellen. Das ist gerade in vielen Bereichen der heutigen Arbeitswelt eine sehr wichtige Frage, in der tendenziös immer mehr Aufgaben von immer weniger Menschen ausgeführt werden, gerade wenn es sich um sehr anspruchsvolle und kognitiv herausfordernde Tätigkeiten handelt.

Ein gutes Beispiel für mehr Konzentration ist der „Flow“ (engl. „Fließen“). Damit ist das Gefühl der völligen Vertiefung und des Aufgehens in einer Tätigkeit angesprochen. Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi hat die Flow-Theorie im Hinblick auf Risikosportarten entwickelt. Heute wird sie auch für rein geistige Aktivitäten in Anspruch genommen. Der Flow-Zugang und das Flow-Erleben sind dabei individuell. Die zu erledigenden Aufgaben sollten also den persönlichen Fähigkeiten entsprechen und weder eine Unterforderung noch eine Überforderung darstellen, sondern eine Herausforderung.

Es kommt also auf die richtige Mischung an. Bemerkenswert ist außerdem, ob die zu erledigenden Aufgaben am Arbeitsplatz weigehend den persönlichen Fähigkeiten und Neigungen entsprechen oder etwa nicht. Hoher Stress ist wesentlich besser händelbar, wenn die Ziele persönlich nachvollziehbar sind und eine hohe Motivation besteht. Desto fremdbestimmter die Aufgaben dagegen ausfallen, desto mehr kann Stress am Arbeitsplatz als negativ und hemmend wahrgenommen werden.

In einer solchen Arbeitssituation und bei einer derartigen individuellen Wahrnehmung kommt es umso mehr auf den notwendigen psychischen und körperlichen Ausgleich an, um die Belastung dementprechend zu reduzieren. Für den nötigen Ausgleich sorgen beispielsweise regelmäßiger Sport wie Laufen und mentale Übungen, welche auf innere Ruhe und Entspannung angelegt sind.

Text: Marcus Klug

Marcus Klug

Marcus Klug, geboren 1977, ist Redner, Blogger und Autor. Neben seiner Tätigkeit als Blogger und Formatentwickler für das Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke hat er bereits vor über zwei Jahren damit begonnen, zusammen mit Michael Lindner das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ zu schreiben, welches im März 2017 zum Buch des Monats erkoren wurde. Das Sachbuch bildet die Basis zu einem eigenen Expertenprogramm als Speaker: „Wissensabenteuer für die digitale Zukunft“. Mehr Infos unter: www.marcusklug.de.

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