Lernen im Internet: Wie MOOCs und Onlineseminare die Bildung verändern

Das Internet ist in erster Linie als Medium für die Verbreitung von Informationen und für die Kommunikation geeignet. Weniger bekannt sind die vielen Lernangebote im Internet. Mit freien Onlineseminaren, den sogenannten MOOCs, bahnt sich heute eine kleine Bildungsrevolution im Internet an. Doch was können die wichtigsten Anbieter im Internet leisten und für wen sind Onlinekurse interessant?

Das Internet ist ein Medium, das den Zugang zu Informationen revolutioniert hat. Ob Texte, Bilder, Videos oder Musik, niemals war es einfacher an Informationen zu gelangen. Der einfacherer und vor allem kostengünstigere Zugang zu Informationen hat bereits viele Veränderungen nach sich gezogen, eine Krise der Musikindustrie ausgelöst und Zeitungen und Verlage dazu gebracht, neue Geschäftsmodelle für die digitale Welt zu entwickeln.

Der Bildungsbereich ist bis jetzt vor größeren Umwälzungen verschont geblieben, aus naheliegenden Gründen. Texte und Musik lassen sich in digitalisierter Form unkompliziert verbreiten, bei Bildung oder Schulungsangeboten ist das nicht der Fall. Eine Videoübertragung im Internet war lange Zeit kompliziert zu bewerkstelligen und braucht schlicht viel mehr Bandbreite als die Übertragung einer Zeitung oder eines Songs. Seminare und Schulungen leben zudem von der Interaktion mit dem Lehrer oder den Austausch der Teilnehmer und das lässt sich im Internet nur mit einem gewissen Aufwand und einer guten Idee umsetzen. Es ist also ersichtlich, warum Bildungsangebote im Internet bis jetzt keine größere Verbreitung fanden.

Große und offene Onlineschulungen

Doch die genannten Beschränkungen fallen inzwischen mehr und mehr weg, in den USA sind neue Anbieter mit sogenannten MOOCs auf den Markt für Onlineschulungen gegangen. „MOOC“ steht für “Massive Open Online Courses”, also für große und offene Onlineschulungen. MOOCs tauchten ab 2011 und 2012 in der Bildungsszene auf, die beiden großen Plattformen, die diese Gattung des Onlinelernens populär gemacht haben, waren Coursera und EdX. Beide Plattformen bieten Schulungen über das Internet an. Neben einer Onlinevorlesung kann man in den Kursen über Themen diskutieren, es gibt Übungen und Prüfungen, die Kurse funktionieren also ganz ähnlich wie normale Seminare oder Vorlesungen an Universitäten auch.

Offen und groß sind diese Angebote in der Tat. Seminare bei Coursera oder EdX haben Teilnehmerzahlen in den Tausendern. Manche Kurse haben sogar 100.000 oder mehr Teilnehmer. Coursera und EdX verstehen sich als Plattformanbieter. Das heißt, beide Plattformen stellen nur die Technologie zur Verfügung und kooperieren mit Universitäten, Stiftungen oder Unternehmen, die Bildungsangebote zur Verfügung stellen wollen. Die großen Teilnehmerzahlen kommen durch ein ausgeklügelten Einsatz von Technik zustande.

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Coursera verwendet standardisierte Zwischenfragen als Prüfungsäquivalent und baut sonst auf die Macht der großen Gruppe. Essays in Fächern wie Geschichte oder Soziologie werden von den Teilnehmern korrigiert, ein Verfahren, das anscheinend sehr gute Ergebnisse erzielt. In einem berühmten TED-Talk stellt Daphne Koller, einer der Gründerinnen von Coursera, ihre Vision des onlinebasierten Lernens dar und zeigt das Potential, das die Technik erschließen kann.

Gänzlich frei sind die meisten Kurse nicht. Bei klassischen MOOCs müssen die Teilnehmer für einen Onlinekurs keine Gebühr zahlen, für ein Zertifikat wird dann allerdings ein Betrag zwischen 50 und 100 Dollar fällig. Was können MOOCs und Onlineseminare und für welche Personen sind sie interessant? Sie finden hier eine kleine Übersicht zu den wichtigsten Anbieter für Onlineschulungen.

Die wichtigsten Anbieter für Onlineseminare und MOOCs

Edudip (www.edudip.com)

Edudip ist ein führender deutscher Anbieter für Onlineseminare. Mit Edudip können sie als Anbieter oder als Teilnehmer an Schulungen sehr einfachen aus einer großen Anzahl von Angeboten auswählen. Es gibt einen Marktplatzfunktion, auf der Sie nach Kursen suchen oder stöbern können. Die Kurse sind in der Regel 30 bis 60 Minuten lang. Es gibt einzelne Angebote und ganze Pakte für Onlineschulungen, beispielsweise beim Sprachenlernen. Die Kurse sind zum großen Teil kostenlos, kostenpflichtige Angebote beginnen bei 5 Euro und gehen bis 70 Euro für Einzelangebote. Bei ganzen Pakten kosten die Kurse zum Teil 300 bis 500 Euro. Die Kurse auf Edudip sind in erster Linie Angebote zu praktischen Fähigkeiten in der Arbeitswelt. Es gibt Kursangebote zu Webseitengestaltung, Excel, Selbstmanagement, Projektmanagement und Marketing. Der Schwerpunkt der Angebote auf Edudip liegt auf Berufs- und Karrierethemen.

Für Dozenten: Es gibt eine kostenlose Probezugang als Anbieter, Sie können dann nur kostenlose Webinare für maximal 10 Teilnehmer anbieten. Webinare mit 20 Teilnehmern und bis zu 60 Minuten kosten für Anbieter 9,90 im Monat, mit dem Pro-Account für 39 Euro können Sie auch zweistündige Webinare mit bis zu 50 Teilnehmern abhalten, für 69 Euro geht das sogar bis 5000 Teilnehmer für eine unbegrenzte Webinardauer.

Udemy (www.udemy.com)

Udemy ist eine kostenpflichtige Onlineuniversität, die im europäischen Raum angesiedelt ist. Es gibt in erster Linie kostenpflichtige Kurse zu den Themen Wirtschaft, Internetdesign, Produktivität und Marketing. Viele der Kurse werden auf Englisch gehalten, es gibt aber auch einige deutschsprachige Angebote. Die kostenpflichtigen Angebote liegen in einer Spanne von 10 bis 300 Euro. Die Kursinhalte werden über Onlinevideos vermittelt, damit bietet Udemy keine klassischen Onlineseminare an. Die Themenauswahl ist sehr vielfältig, es gibt neben den Wirtschaftsthemen auch Fitness, Yoga, Sport  usw. und akademische Fähigkeiten wie Critical Thinking, Kreatives Schreiben und Sprachen.

Für Dozenten: Um Dozent zu werden, braucht es nur eine Anmeldung und Sie können Kurse auf Udemy halten. Ein Hilfebereich lotst durch den Prozess der Kurserstellung. Das Preissystem ist relativ übersichtlich gestaltet. Sie können Ihre Kurse frei einstellen und abhalten. Udemy kann einen Teil des Marketings übernehmen und Werbung für die Kurse machen, in diesem Fall bekommt die Plattform einen Teil der Einnahmen, 50 % des Preises, den ein Student bezahlt, müssen Sie in diesem Fall an Udemy abgeben.

Iversity (www.iversity.org)

Iversity ist ein europäisches Angebot für das Onlinelernen. Die Kurse werden von Universitätsdozenten angeboten und decken Angebote aus der akademischen Lehre ab. Es gibt Kurse zu Wirtschaftsthemen, Mathematik, Design und Sprachen. In der Bezahlung orientiert sich Iversity an dem Vorbild Coursera. Die Kurse sind kostenlos, wenn man sie als Gasthörer nutzt, für Zertifikate bezahlen Sie Geld. Je nach Kurs kostet ein Zertifikat zwischen 50 und 100 Euro. Die Kurse sind als Vertiefungsangebote oder Ergänzungsangebote konzipiert, die von Studierenden oder Berufstätigen genutzt werden können. Es gibt viele Überblick- und Einführungsangebote, beispielsweise Kurse zum wissenschaftlichen Arbeiten, Ideenentwicklung, Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, Marketing  oder das Rechnungswesen.

Für Dozenten: Anbieter werden bei Iversity nur Institutionen mit einer entsprechenden Expertise. Neben Universitäten sind das Forschungsinstitute und Think Tanks.

OpenCourseWorld (https://www.opencourseworld.de)

Open Course Course World bietet ein ähnliches Angebot wie Coursera. Die Kurse sind frei und Sie bezahlen, wenn Sie ein Zertifikat erwerben wollen. Ein Zertifikat bei Open Course World kostet zwischen 49 und 95 Euro, der Preis hängt hier davon ab, ob man studiert oder nicht.

Für Dozenten: Auch in diesem Fall sind Universitäten und Forschungseinrichtungen Partner von Open Course World.

Coursera (www.coursera.org)

Coursera ist die Plattform, die MOOCs populär gemacht hat und existiert seit 2011. Coursera biete verschiedene Kurse zu akademischen Themen an, Anbieter auf Coursera sind Universitäten rund um die Welt, aus Europa, China, Japan und natürlich viele Universitäten aus den Vereinigten Staaten: Princeton und Yale bieten Kurse an und viele staatliche Universitäten, am bekanntesten sind die Stanford University, von der die Gründer von Coursera kommen. Es gibt zwei deutsche Universitäten, die mit Coursera kooperien, die TU München und die LMU München bieten erste Kurse bei Coursera an.

Neben normalen Onlinekursen gibt es jüngst sogenannte Spezialisierungen. Das bedeutet, Sie können sich auf eine Fähigkeit spezialisieren und belegen dann verschiedene Kurse, sozusagen ein Kursbündel, zu dem Studienprogramm, das Sie sich vorgenommen haben. Im Augenblick gibt es die Spezialisierungen Entrepreneuship, Digital Marketing, Content Strategien und Musik, in der Sie neben den Grundlagen von Musik auch die Fähigkeiten für eine Karriere im modernen Musikgeschäft lernen.

EdX (www.edx.org)

EdX ist der Konkurrent zu Coursera und versteht sich als freier Anbieter von MOOCs. Auch EdX kooperiert mit Universitäten vor allem in den Vereinigten Staaten und ist eine Plattform, auf der die namhaften amerikanischen Universitäten Kurse aus allen Fächern anbieten. Das Angebot ist fast ausschließlich auf Englisch, Sie haben auf EdX das breit gefächerte Angebot einer Universität: Von Statistik, Datenanalyse bis zur Geschichte Chinas, von Kursen zu Gerechtigkeit und Ethik über Psychologie bis hin zu den Neurowissenschaften oder Programmieren reicht die Palette der Kurse.

Die Kurse bei EdX lassen sich gut sortieren und sind nach verschiedenen Niveaus geordnet, auf der Seite werden die Kurse in “Introductory”, “Intermediate” und “Advanced” unterschieden. Im Unterschied zu Coursera sind die Kurse von Universitäten auf EdX vollständig frei, Sie müssen für Zertifikate nichts bezahlen. Es gibt aber auch hier eine kleine Einschränkung: Für einen Teil des Angebotes, die “Professional Education” müssen Sie bezahlen. Das sind Kurse die direkt berufsrelevant sind, wie Marketing, Datenanalyse und ähnliche Angebote. Die Preise reichen hier von ungefähr 100 bis 300 Dollar pro Kurs.

Für Anbieter: Neben Universitäten gibt es Angebote von größeren Oganisationen. Beispielsweise bietet die Linux Foundation einen Einführungskurs zu Linux an, Microsoft Kurse im Programmieren.

Michael Lindner

Dr. Michael Lindner ist Dozent für die Themen Selbstmanagement, Informationsmanagement und Wirtschaftsethik und Corporate Social Responsibility. Er gibt Workshops und Seminare und unterstützt Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen in Fragen der Selbstorganisation und dem effizienten Umgang mit dem Web 2.0. Treten Sie mit Michael Lindner in Kontakt. Sie interessieren sich für einzelne Seminarangebote? Hier geht es zu den Seminarangeboten. →

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