Die schockierende Wahrheit über das Lernen in der Zukunft

Schon heute gibt es Menschen, welche die Schule oder das Studium abgebrochen haben und die stattdessen ihren eigenen Bildungsweg gestalten. Noch sind es zwar wenige, aber ihre Anzahl steigt. Außenseiter, die vernetzt lernen und neue Inhalte suchen, die Edupunks. Wollen Sie wissen, was diese Personen antreibt?

Viele Schule und Universitäten hängen noch an einer Vorstellung vom Lernen, die vollkommen antiquiert ist. Es werden beispielsweise Tests durchgeführt und Fakten auswendig gelernt, die schon bald vergessen sind. Oder es werden einzelne Fächer unterrichtet, ohne die Bezüge zu anderen Gebieten aufzuzeigen, tote Verbindungen.

Wie würden wir lernen, wenn wir endlich gehirn-gerecht lernen?

Das ist genau das, was die einstige Leiterin des Instituts für gehirn-gerechtes Arbeiten Vera F. Birkenbihl immer vehement kritisiert hat: das Pauken. Fakten und Vokabeln auswendig zu lernen und ständig zu wiederholen, sind bestimmt nicht dazu geeignet, Menschen zu motivieren, sich auf eine Welt in der Zukunft vorzubereiten, in der viel häufiger die Berufe gewechselt werden, in der es weitaus weniger Sicherheiten gibt und in der wir möglichst neugierig und offen bleiben und gelernt haben sollten, trotz dieser Entwicklungen produktiv mit Angst umzugehen, etwa durch regelmäßige Achtsamkeitsübungen.

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Wie soll das aber bitteschön funktionieren, wenn Sie die Lust am Lernen bereits in der Schule verloren haben? Haben Sie sich das schon einmal gefragt? Sie arbeiten demnächst vielleicht sogar bis zum Alter von 80 Jahren, haben die Lust zum Lernen allerdings schon als 20-Jähriger verloren. Und jetzt unterstelle ich noch, dass Sie in Ihrem Leben zahlreiche Projekte durchlaufen, vermehrt auch Berufe und Branchen wechseln, dazwischen immer wieder lernen und ebenso ein Leben außerhalb der „Erwerbsarbeit“ führen, richtig, ein Leben!, das Sie gestalten wollen.

Die Edupunks kommen!

Weil viele Schulen und Universitäten überhaupt nicht mehr ausreichend auf ein solches Leben vorbereiten, starten Menschen vermehrt eigene Initiativen und setzen ihre eigene Vorstellung vom Lernen um. Diese Personen bezeichne ich jetzt mal als „Edupunks“.

Sie sollten dabei auch bedenken, dass beispielsweise Hochschulen in der Zukunft Vorlesungen und ganze Lehreinheiten verstärkt elektronisch produzieren und veröffentlichen werden, auch in Deutschland. Das dauert hier zwar immer alles viel länger als in den USA, aber diese Entwicklung ist auch hierzulande bereits im Randbereich zu beobachten. Schauen Sie sich beispielsweise einmal das Kurs-Angebot von dieser Lernplattform an: iversity.

Die Studenten werden sich in Zukunft verstärkt ihre eigenen Lernbiografien zusammenstellen und dabei nicht unbedingt ein bestimmtes Studienfach an einer einzelnen Hochschule wählen. In den USA, wo diese Entwicklung vorangeschritten ist, gibt es dafür schon den Begriff „Edupunks“.

Edupunks finden wir aber längst sich nur in den Randzonen von Universitäten, wo einzelne Lerneinheiten online abgerufen werden, sondern auch an Schulen und außerhalb dieser Bildungseinrichtungen. Wir haben es mit Menschen zu tun, die einerseits die Lernangebote der klassischen Bildungsinstitutionen dazu nutzen, eigene Lernwege zu gestalten und die dabei verstärkt auch auf digitale Medien setzen, andererseits aber auch das Angebot dieser Institutionen sehr kritisch betrachten und immer häufiger diesen Institutionen auch den Rücken zukehren, indem eigene Bildungsinitiativen gestartet werden.

Wie würden wir lernen, wenn das Spiel die Grundlage wäre?

Viele Schulen und Universitäten bereiten uns überhaupt nicht mehr auf eine Zukunft vor, die stark vom digitalen Wandel beeinflusst sein wird. Sie vermitteln überhaupt nicht die Fähigkeiten, die morgen von essentieller Bedeutung sein werden, etwa die Fähigkeit, sich trotz zahlreicher Ablenkungsmöglichkeiten besser konzentrieren zu können, vernetzter zu denken, fit in der Selbstorganisation zu sein, produktiver mit Angst umzugehen, oder wirklich interessante und bewegende Projekte mit anderen Menschen zu starten.

Und dann gibt es mittlerweile schon bereits zahlreiche Personen, welche die Gestaltung der Bildung selbst in die Hand nehmen, etwa Katie Salen. Wie würden wir lernen, wenn das Spiel die Grundlage wäre? Genau diese Frage hat sich die US-amerikanische Designerin Katie Salen gestellt, die in New York eine Schule des Spiels ‒ die Quest2Learn-Schule ‒ gründete. Siehe auch: „Big Thinkers on Education“.

Salen betrachtet Schule als ein System aus Grenzen, Regeln und Spielen. Mit ihrer Schule Quest2Learn zeigt sie, wie man den Raum der Schule nicht bloß als Raum der Lehre begreifen kann, sondern als Entdeckungs- und Möglichkeitsraum. Dazu nutzt sie die Kraft des Spiels, seine Eigenschaften, zu begeistern und zu involvieren, Gamification.

Junge Menschen lernen in dieser Schule nicht nur den Satz des Pythagoras, Platons Ideenlehre und Fizgeralds „Der große Gatsby“, sondern auch Fähigkeiten, die mit dem Zeitalter der digitalen Transformation zusammenhängen: etwa zu kooperieren, ganzheitlich und vernetzt zu denken, Fehler zu machen und gestaltend an der Welt teilzunehmen.

Allesamt Fähigkeiten, die wir dringend in der Formierung einer Innovationskultur benötigen!

Wie würden wir lernen, wenn wir uns außerhalb von Klassenzimmer und Hörsaal weiterbilden?

Freilerner gab es schon früher. Also Menschen, die fernab der Bildungsinstitutionen Lernen gestalten. Ein relativ bekanntes Beispiel dazu ist die Therapeutin und Publizistin Dagmar Neubronner, ursprünglich Diplombiologin, die selbst Schule und Studium mit Auszeichnung abgeschlossen hat. Die aber dann mit Ihrem Mann zusammen die eigenen Kinder von zu Hause aus unterrichtete. Ihr mutiger Widerstand gegen den spezifisch deutschen Schulzwang machte die Familie über Deutschland hinaus bekannt.

Digitale Technologien können das freie Lernen noch weiter vereinfachen. Dies hängt damit zusammen, dass wir heute dank des Internets auf unglaublich viele Lernangebote zurückgreifen können, die in dieser Mannigfaltigkeit in keinem anderen Zeitalter so einfach zugänglich waren.

Wenn Sie am Ende dieses Beitrags unseren Info-Newsletter abonnieren, bekommen Sie ein E-Book von uns geschenkt, in dem einige der wichtigsten Lernplattformen im Netz näher mit Link beschrieben werden. Plattformen wie unter anderem Sofatutor oder Udemy.

Auf der anderen Seite stehen uns aber auch unglaublich viele digitale Werkzeuge zur Verfügung, mit denen wir das Lernen auf wesentlich systematischere Weise gestalten können, auch das Lernen in der Gruppe bzw. im Team.

Hier eine Liste mit 100 Tools zum Lernen für Sie:

 

Was können wir daraus für mögliche Entwicklungen ableiten? Es wird zukünftig vermutlich wesentlich mehr Menschen geben, die dank digitaler Technologie den Weg von Freilernern bestreiten. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass es in der Zukunft keine Schulen und Universitäten mehr gibt. Das bedeutet aber sehr wohl, dass sich Schulen und Universitäten in Zukunft radikal umstellen müssen, wenn sie im Zeitalter der digitalen Transformation nicht den Anschluss verlieren wollen.

Am Ende noch eine Geschichte für Sie

Ich fand diese Geschichte wirklich sehr inspirierend. Da ist so ein junger engagierter Typ, Erik Finman, der im Oktober 2014 auf der Bühne des „Tedx-Teen“-Events in London stand, einen Pointer in der Hand, graues Hemd über dunkelgrauem T-Shirt.

Und dieser Typ erzählte dann, dass er gemessen an den üblichen Intelligenzkriterien eigentlich eher ein dummer Typ sei. In der High School sei er nämlich ein eher mittelmäßiger Schüler gewesen, einer, der Noten von C bis D bekommen habe. Und dieser Typ hat dann schließlich ganz bewusst die Schule abgebrochen. Warum?

Sein Bruder Scott erzählte ihm ständig von einer neuen digitalen Währung: Bitcoins. So kam es, dass Erik seine Ersparnisse von 1.000 Dollar nahm und in Bitcoins investierte. Mit der Zeit verdiente er durch dieses Investment 100.000 Dollar. Sein entscheidendes Ziel: „Ich will das öffentliche Bildungssystem ersetzen“. Nach Praktika im Silicon Valley und zahlreichen Medienberichten hat er sich die Aufmerksamkeit der Medien bereits gesichert.

Finman ist eine Person, die klassische Bildung auf radikale Weise hinterfragt: „Die Gesellschaft erzählt dir, dass du zur Schule gehen sollst. Aber man springt ja auch nicht von der Brücke, nur weil es jemand anders sagt. Es ist gut, Dinge zu hinterfragen.“

(Quelle: Auf Bildungsabwegen. Beitrag von Lisa Hegemann in t3n, Wirtschaftsmagazin, N.44 2016, Schwerpunkt Online-Studium, S. 50-52, siehe auch folgender Link)

Wie nutzen Sie die digitalen Medien zum Lernen? Was sollten Menschen an Schulen und Universitäten lernen, um sich besser auf ein Leben in der Zukunft vorzubereiten, das von größeren Brüchen gekennzeichnet ist? Leben, Lernen und Arbeiten im digitalen Wandel. Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Gedanken zum Thema.

 

Marcus Klug

Marcus Klug, geboren 1977, ist Redner, Blogger und Autor. Neben seiner Tätigkeit als Blogger und Formatentwickler für das Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke hat er bereits vor über zwei Jahren damit begonnen, zusammen mit Michael Lindner das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ zu schreiben, welches im März 2017 zum Buch des Monats erkoren wurde. Das Sachbuch bildet die Basis zu einem eigenen Expertenprogramm als Speaker: „Wissensabenteuer für die digitale Zukunft“. Mehr Infos unter: www.marcusklug.de.

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