Die Industrialisierung der Arbeit

20160203-A_Day_in_the_Life_of_a_Munitions_Worker,_Britain,_1940-Quelle-Wikimedia-CC0 public domainEine Revolution in der Arbeitswelt trat bereits im 19. Jahrhundert ein. Mit der Industrialisierung wandelte sich auch die Arbeitswelt dramatisch. Die Vorstellungen von Arbeit aus dem Industriezeitalter wirken bis heute nach und prägen nach wie vor die Arbeitsorganisation im Berufsleben. Was zeichnet die industrielle Arbeit aus und wie wird sich die Arbeitswelt in Folge der Digitalisierung wandeln?

Wenn wir heute von Arbeit sprechen, denken wir meistens an Erwerbsarbeit und damit an Arbeitsprozesse, die häufig fremdbestimmt organisiert werden. Arbeit wird im alltäglichen Verständnis häufig als eine Last und eine Notwendigkeit wahrgenommen, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Idee von Arbeit und die bis heute üblichen Organisationsformen haben sich während der industriellen Revolution ab der Mitte des 19. Jahrhunderts herausgebildet.

Arbeit wird zerlegt und organisiert

Für die industrialisierte Arbeit ist der Fordismus entscheidend, eine Organisationslehre, die auf den amerikanischen Autoindustriellen Henry Ford zurückgeht. In der fordistischen Fabrik des frühen 20. Jahrhunderts war die Arbeit sehr streng und arbeitsteilig organisiert. Charlie Chaplin hat in Modern Times dieser Art der Arbeitsorganisation ein Denkmal gesetzt. Als kleine Fabrikarbeiter muss sich Chaplin einem absurden Regiment standardisierter Arbeitsabläufe, Effizienzdenken und strenger Kontrolle unterwerfen und deckt damit die Absurditäten industrieller Warenproduktion auf.

Die wesentlichen Merkmale industrieller Arbeit hat der Soziologe Konrad Thomas für das 20. Jahrhundert in insgesamt 10 Merkmalen zusammengefasst (Konrad Thomas 1967: Kennzeichen industrieller Arbeit). Am wichtigsten sind diese vier Kennzeichen:

  1. Die Arbeit ist zeitlich starr organisiert

Von der Stechuhr bis hin zur genauen Organisation einzelner Arbeitsschritte ist industrielle Arbeit zeitlich sehr streng festgelegt. Nach einem wissenschaftlichen Ideal organisiert, wird der Anfang und das Ende der Arbeit kontrolliert, bis hin zum einzelnen Handgriff reicht die zeitliche Organisation der Arbeitsprozesse.

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  1. Es gibt eine starke Spezialisierung

In der Industrie arbeitet jeder extrem spezialisiert. Das geht im klassischen Fordismus so weit, dass ein Arbeiter am Fließband buchstäblich immer nur einen Handgriff ausübt. Die starke Spezialisierung ist in allen Bereichen ausgeprägt, da bei den Arbeitern jeder für genau eine Aufgabe zuständig ist, gibt es in der Administration der Industrie spezialisierte Manager für die Planung, Beschaffung und den Vertrieb.

  1. Arbeit findet unter der Trennung von Planung und Ausführung statt

Zur starken Spezialisierung gehört die Trennung von Planung und Ausführung. In der klassischen industriellen Arbeit wird die Planung vom Management betrieben: Während Art und Menge der Produktion die Führungsebene plant, sind die Arbeiter für die Ausführung und Umsetzung der Produktionsprozesse zuständig. In der klassischen industriellen Arbeit gibt es deshalb auch wenig Austausch und Kommunikation zwischen diesen Ebenen, sondern die Vorgaben der Führung müssen von den Arbeitern ausgeführt werden.

  1. Es gibt starke Hierarchiegefälle

Mit dieser Arbeitsorganisation sind starre Hierarchien verbunden. Die klassische industrielle Arbeit ist nach einem militärischen Modell organisiert. Die jeweils oberen Ebenen sind den Untergeben weisungsbefugt und es gibt in allen Bereichen starke Hierarchiegefälle. Unter den Arbeitern werden je nach Erfahrung und Leistung einige zu Vorarbeitern und nehmen damit eine Zwischenposition ein.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Wenn Sie in einem eher klassischen Angestelltenverhältnis arbeiten, werden Sie sicher einige dieser Merkmale kennen. Die Fordistische Vorstellung von Arbeit war und ist sehr prägend für alle Bereiche der Arbeitsorganisation, so auch für Büroarbeit oder die Organisation von Krankenhäusern oder Verwaltungen. Die Arbeitsorganisation findet häufig immer noch in einem engen zeitlichen Korsett statt. Neben der klassischen Büroarbeitszeit von 9 bis 5 Uhr gibt es nach wie vor vergleichsweise starre Hierarchien und Kommunikationswege.

Bereits im 20. Jahrhundert, verstärkt durch die Digitalisierung beginnen sich viele dieser Organisationsformen der Arbeit zu verändern. Wir müssen eben nicht mehr zu einer Zeit in einem Büro sein, um effektiv zusammenzuarbeiten, sondern die zeitliche Organisation lässt sich heute schon flexibler gestalten. Führt diese Entwicklung zu mehr Selbstbestimmung im Arbeitsleben? Und welche Veränderungen kommen auf Unternehmen und Arbeitnehmer zu? Erfahren Sie mehr dazu hier auf unserem Blog! Wir schreiben ein Buch zu den Themen digitale Arbeit und Lernen mit dem Titel: “Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution.” Auf unserer Startnextseite können Sie mehr zu dem Projekt erfahren, Sie können für unser Buch spenden und attraktive Gegenleistungen erhalten. Besuchen Sie uns auf unserer Seite: www.startnext.com/morgen-weiss-ich-mehr

Michael Lindner

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