Die Arbeitswelt im digitalen Umbruch

20160301-Bansky NY City-Bild-Scoboco-Quelle-Flickr-CC BY-SADie Revolution kommt aus vielen verschiedenen Rechenzentren rund um die Welt und wird die Arbeitswelt so tiefgreifend verändern wie die Industrialisierung. Digitale Technik und Automatisierung werden in Zukunft sehr viel stärker den Büroalltag prägen. Welche Veränderungen bringt die Digitalisierung für die Arbeitsorganisation mit und wie wird die Arbeitswelt der Zukunft aussehen?

Nach dem Einzug von Robotern in der Industrie beginnt die Digitalisierung auch den Dienstleistungssektor zu verändern. Schon vor einigen Jahren gab es erste erfolgreiche Versuche, einfache Bürotätigkeiten durch den Computer zu ersetzen, darunter auch das Schreiben von Texten. Zumindest für sehr standardisierte Textsorten gibt es inzwischen Programme, die automatisch einen einfachen Bericht oder eine einfache Beschreibung erstellen. Mercedes Bunz beschreibt in ihrem Buch “Die stille Revolution” ein Programm, mit dem sich Sportberichte automatisiert verfassen lassen. Es handelt sich dabei um StatsMonkey, ein Softwareentwicklungs-Projekt der Northwestern University um automatisch Sportberichte erstellen zu können. Das Programm durchsucht das Internet nach aktuellen Sportergebnissen und Berichten, wertet diese aus und erstellt aus diesem Rohmaterial und Versatzstücken anschließend einen eigenen Text. Das Ergebnis liest sich zwar sehr trocken, aber es entstehen tatsächlich verständliche Sportberichte, die eine Software auf Knopfdruck kompiliert (Bunz 2012, Die stille Revolution).

3,6 Millionen Texte per Algorithmus

Dieser Trend des automatisierten Schreibens ist längst in Deutschland angekommen. Die führende Firma in Deutschland ist Aexea, die bereits vor einigen Jahren automatisierte Beschreibungstexte für den Onlinehandel anbot. Auch hier werden mit Hilfe eines Algorithmus und Textbausteinen Gebrauchstexte erstellt, die einen Gegenstand adäquat beschreiben. 2014 produzierte Aexea 3,6 Millionen Texte (Susanne Preuß 2014: Dieser Text ist selbstgemacht, FAZ)

Sind das nicht großartige Neuigkeiten? Jetzt werden uns auch triviale Tätigkeiten im Büroalltag von Computern abgenommen! Diese Zukunftsaussichten werden aber häufig als bedrohlich wahrgenommen und das ist genau gesehen ein großer Widerspruch. Die Digitalisierung und Technisierung der letzten Jahrhunderte hat doch genau den Sinn, Arbeit überflüssig zu machen! Wir wollen auf der einen Seite eine Zukunft mit Automatisierung und weniger Arbeit, es fließen Forschungsgelder, Fördermittel und viel Kapitel in die Technisierung aller Lebensbereiche und gleichzeitig fürchten wir aber genau diese Entwicklung hin zu einer arbeitslosen Gesellschaft.

Der Wandel der Arbeitswelt

Genauer betrachtet, ist an den Horrorszenarien der digitalen Arbeitslosigkeit wenig dran, viel wichtiger und gesellschaftlich bedeutender ist die Veränderung in der Arbeitswelt, die mit der Digitalisierung einher geht. Die Arbeit wird sicher nicht ausgehen, wenn Algorithmen Schreibarbeiten übernehmen. In vielen Arbeitsfeldern ist der menschliche Faktor schlicht nicht ersetzbar. Das gilt für Ausbilder und Lehrer, für den ganzen Bereich der Bildung, zum anderen auch für schöpferische, gestalterische und soziale Tätigkeiten. Wir brauchen einfach Menschen, die andere Menschen pflegen und versorgen, die Ideen vermitteln oder in Führungspositionen motivieren. Können Sie sich ein Meeting mit Robotern vorstellen oder einen elektronischen Klassenlehrer? Auch Kommunikation lässt sich selbstverständlich nicht automatisieren. Natürlich brauchen wir nach wie vor Menschen, die mit anderen sprechen und sich austauschen, diese Tätigkeiten können nicht von Maschinen übernommen werden. Die Veränderungen durch die Digitalisierung betreffen mit großer Wahrscheinlichkeit vor allem Jobs, bei denen es um standardisierte und berechenbare Vorgänge geht. Wenn Entscheidungen in juristischen Fällen oder in Unternehmen sich stark standardisieren lassen, werden sie sehr wahrscheinlich bald von Computerprogrammen getroffen. Das Fraunhofer-Institut hat bereits vor einigen Jahren ein Programm entwickelt, mit dem Elterngeldansprüche beurteilt werden können.

Fünf Trends für die Arbeitswelt der Zukunft

  1. Es wird wahrscheinlich einen Trend zu anspruchsvolleren Tätigkeiten geben. Die Aufgaben für Sachbearbeiter oder Büroangestellte werden wohl eher kommunikative oder im weitesten Sinne kreative Aufgaben sein. Wenn sich Standardtätigkeiten digitalisieren lassen, werden zunächst eher einfache Aufgaben von Computern erledigt. Deshalb werden Jobs, die von Menschen erledigt werden in Zukunft wahrscheinlich komplexer werden.
  2. Technisches Know-How und Kommunikation sind in Zukunft gefragt. In einer stark digitalisierten Arbeitswelt wird technisches Know-How wichtiger. In den USA lernen bereits viele Schüler Programmieren. Laut einer Umfrage von Bitkom und LinkedIn werden in Zukunft neben Programmieren Datenanalyse und allgemeine digitale Fähigkeiten wichtiger. Interessanterweise spielt auch Kommunikation eine große Rolle. In flexibleren und dynamischen Arbeitsprozessen werden interkulturelle Kompetenz und kommunikative Fähigkeiten bedeutsamer. (Was Arbeitnehmer in Zukunft wissen müssen, FAZ 2015).
  3. Bildung wird in Zukunft einen anderen Stellenwert haben. Wir müssen uns verabschieden von der stark linearen Vorstellung einer Ausbildung mit anschließender Erwerbstätigkeit. Die Digitalisierung wird unsere Arbeitswelt weiter verändern und infolgedessen müssen wird uns als Arbeitnehmer, oder als Selbständige, den neuen Gegebenheit anpassen. Das geht nur mit Bildung – und einer veränderten Einstellung! Fortbildung wird nicht mehr nur heißen, dass Sie in einigen Details etwas dazulernen, sondern im Berufsleben werden sich Tätigkeiten und Anforderungen stärker wandeln.
  4. Ein weiterer Trend ist sicher eine stärkere Flexibilisierung und Dynamik im Arbeitsleben. Arbeiten von zu Hause, Umgang mit vielen Informationen, Vernetzung und Austausch über Hierachieebenen hinweg werden wahrscheinlich selbstverständlicher werden. Auch diese Entwicklung bietet viele Chancen, von sich aus wird es kein Wandel geben. Die Umsetzung solcher neuer Organisationsformen braucht meistens eine passende Organisationskultur.
  5. Wir werden wahrscheinlich vor neuen sozialpolitischen Herausforderungen stehen. Gewinner des digitalen Wandels werden sicher Menschen mit guter Ausbildung sein, die in techniknahen Berufen arbeiten oder als Wissensarbeiter. Was passiert mit denen, die die Geschwindigkeit nicht mitmachen können, denen es an Wissen fehlt und die nicht in der Lage sind, sich entsprechend weiterzubilden? Der digitale Wandel könnte die Kluft zwischen Menschen mit guten und schlechten Qualifikationen vertiefen und das bedeutet, dass die Frage nach Teilhabe und Umverteilung politisch und gesellschaftlich zentraler werden.

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Michael Lindner

Dr. Michael Lindner ist Dozent für die Themen Selbstmanagement, Informationsmanagement und Wirtschaftsethik und Corporate Social Responsibility. Er gibt Workshops und Seminare und unterstützt Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen in Fragen der Selbstorganisation und dem effizienten Umgang mit dem Web 2.0. Treten Sie mit Michael Lindner in Kontakt. Sie interessieren sich für einzelne Seminarangebote? Hier geht es zu den Seminarangeboten. →

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