Design your Education: Ihre Weiterbildung im Netz

Die eigene Bildung zu gestalten, kann zu einem echten Abenteuer werden. Es geht um freie Entfaltung und die Loslösung von äußeren Zwängen. Im Internet können Sie mittlerweile viele tolle Onlinekurse entdecken. Aber wie sehen überhaupt Ihre Interessen aus? Welche Lernangebote und Medien passen zu Ihrer Persönlichkeit?

Das Angebot an Lern-Plattformen im Netz ist wirklich erschlagend. Entsprechend schnell wird das Thema sehr unübersichtlich und führt zur Überforderung. Als Lehrer wollen Sie vielleicht neben Ihrem Beruf ein Hobby intensivieren und später dazu vielleicht eine Arbeitsgemeinschaft an der Schule ins Leben rufen, etwa zum Thema Fotografieren.

Oder in Ihrem Beruf als Online-Redakteur wollen Sie Ihre Kenntnisse im Bereich Online-Marketing auffrischen. Noch ambitionierter werden derartige Vorhaben, wenn Sie obendrein vielleicht sogar eine eigene Online-Konferenz starten.

We blog for Change

Erst vor kurzem bin ich auf diese wirklich tolle Möglichkeit gestoßen. Und zwar auf die „We blog for Change“ Konferenz 2016. Diese Konferenz wurde von den beiden Bloggern Johanna Bonhage und Ben Paul organisiert.

Zu dieser Konferenz gibt es auch ein empfehlenswertes Konferenzpaket, bestehend aus zahlreichen Video-Interviews, E-Books und einer Menge Impulse, wie wir anders leben, lernen und arbeiten können. Und wie wir im Internet einen professionellen Blog und ein eigenes Online-Business ins Leben rufen können. Hier geht es zu diesem Angebot.

Warum ich Ihnen das jetzt an dieser Stelle erzähle? Wir denken im Bildungsbereich und beim Lernen immer noch recht traditionell und eingefahren. Dabei können Bildung und Lernen viel eher zu einem echten Abenteuer werden, wenn wir uns dabei auch die Frage stellen, wie wir andere Menschen für ein bestimmtes Lernthema begeistern können und so vielleicht auch die ein oder andere Initiative wie „We blog for Change“ ins Leben rufen können.

Die Gestaltung der eigenen Bildung

Die Frage danach, wie wir unsere eigene Bildung zukünftig mehr gestalten können, hat auch sehr stark etwas mit unserer eigenen Persönlichkeit und der Verbindung zu anderen Menschen zu tun.

Das eröffnet auch eine ganz andere Perspektive auf Bildung und Lernen. Vor allem, wenn wir hier von eher konventionellen Vorstellungen ausgehen. Etwa die Vorstellung im Bereich der Erwachsenenbildung, dass es beim Lernen zumeist nur darum gehen würde, neue Kompetenzen zu erwerben, die man später auf dem Arbeitsmarkt dazu einsetzen kann, als Bewerber attraktiver für potenzielle Arbeitgeber zu sein oder dadurch wohlmöglich eine bessere Position im Job einkleiden zu können.

Die Frage nach der Gestaltung der eigenen Bildung geht viel weiter. Diese Frage ist an sich viel radikaler. Gerald Hüther, Professor für Neurobiologie an der Universität Göttingen, hat zu dieser Frage eine sehr passende Antwort. Unser Verständnis von Lernen ist nur noch historisch zu begründen und gehört eigentlich angesichts unseres heutigen Erkenntnisstandes längst in die Mülltonne.

„Wir haben das Lernen in den engen Rahmen einzwängen lassen, der uns von den Wissensvermittlern aus den speziell zu diesem Zweck geschaffenen Einrichtungen vorgegeben wurde“, so Hüther.

Unser Gehirn funktioniert aber nicht auf diese Weise, denn Nervenzellen sind über einzelne Hirnareale hinaus miteinander vernetzt und bilden – je nach Anregung – neue Synapsen aus, und zwar durchaus auch noch im hohen Alter, so die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung.

Ein Vergleich: Reformbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Für mich persönlich ist die Transformation der Bildung, die stark mit der Digitalisierung zusammenhängt, durchaus vergleichbar mit den Reformbewegungen in der Pädagogik zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Unter der Bezeichnung Reformpädagogik werden ja verschiedene Ansätze zur Reform von Schule, Unterricht und allgemeiner Erziehung zusammengefasst, die sich ab Ende des 19. Jahrhunderts und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gegen Lebensfremdheit und Autoritarismus der vorherrschenden wilhelminischen „Paukschulen“ wandten.

So gab es in Deutschland eine starke wechselseitige Beeinflussung mit der Jugendbewegung. Einige Reformpädagogen verbanden eine liberale Grundhaltung mit starkem sozialem Engagement.

Dabei sind die Grundprinzipien, auf die diese Reformen basierten, heute wieder sehr gefragt, wenn wir den Weg zu einer „Innovationsgesellschaft“ meistern wollen.

Wichtige Prinzipien waren das selbstständige Lernen, die Selbstorganisation oder das Selbstmanagement, wie man vielleicht heute sagen würde, das freie Gespräch und das Bilden von offenen Lerngruppen, sowie die Hervorhebung von Erlebnispädagogik, praktischen Tätigkeiten oder Lernen durch Handeln.

Erst neulich war ich ganz perplex, als ich auf die Website der Gesamtschule Barmen stieß, da meine Freundin dort schon bald als Lehrerin für Biologie und Physik arbeiten wird.

Das ist eine offene Schule, wo das selbstständige Lernen der Schüler besonders hervorgehoben wird, auch das Lernen in Gruppen und weniger der Frontalunterricht. Schauen Sie sich beispielsweise einmal die beiden Punkte „Freie Lernangebote“ und „Freie Lernorte“ an.

Passend zu diesem Konzept ist auch die räumliche Gestaltung dieser Schule an die offene Lernform angepasst, denn die Innenarchitektur erinnert mit ihren großen offenen Fenstern, ihren lichtdurchfluteten Räumen, ihren Holzverkleidungen und ihrer großzügigen Bepflanzung an ein reges Biotop, eine Art botanischer Garten für das Lernen.

Bildung und digitale Medien

Auch an Schulen können wir zunehmend mehr Bildungsprojekte entdecken, die mit digitalen Medien zusammenhängen. So wurden beispielsweise an der Gesamtschule in Barmen eine Arbeitsgruppe und ein Wahlpflichtfach für Schüler ins Leben gerufen, in dem die Schüler eine Redaktion bilden.

Klassisch wäre das eine Schülerzeitung. In der Schule in Barmen werden jedoch Videos produziert und digital bearbeitet. Und jetzt stellen Sie sich beispielsweise als Lehrer vor, dass Sie bereits über viele redaktionelle Erfahrungen verfügen, jedoch noch nicht genau wissen, wie Videos produziert, digital bearbeitet und veröffentlicht werden, beispielsweise in der Form von Videos, die auf einen eigenen YouTube-Kanal veröffentlicht werden.

Schon sind wir bei der Frage angelangt, wie Ihre persönlichen Interessen aussehen, und was das mit einzelnen Medien zu tun hat.

Wir können heute auf der Basis digitaler Technologien ganz unterschiedliche Wissensformate entwickeln und produzieren, die wir mit anderen Menschen teilen können.

Die Produktion reicht von Büchern, E-Books, Videos, Podcasts und Onlinekursen bis hin zu Konferenzen und Membership-Portalen.

Zwei Beispiele dazu:

  1. Der US-amerikanische Sozialwissenschaftler Howard Rheingold beschäftigt sich seit den 1980-er Jahren mit virtuellen Lern- und Gemeinschaftsformen und betreibt zu diesem Engagement auch einen sehr empfehlenswerten Blog, in dem er immer wieder über seine Experimente – unter anderem mit verschiedenen Lerngruppen im Internet – berichtet. Dabei werden all diese Experimente in zahlreichen Blog-Beiträgen und Büchern auch ausgiebig von Rheingold reflektiert: und zwar zwischen Theorie und Praxis. Hier der Link zu seinem Blog: http://rheingold.com/
  2. Das ehrgeizige Projekt „Schulbuch-o-mat“ lenkte bereits im August 2013 die Aufmerksamkeit auf Open Educational Ressources in der Schule. Das war in Deutschland das erste Schul-Projekt dieser Art. Ein komplettes Schulbuch als freies Lernmittel oder auch Open Education Ressource (OER). Bei dem Buch handelt es sich um ein Biologiebuch für die Klasse 7/8. Es ist kostenlos als digitaler Download in einer Epub- oder PDF-Version verfügbar. Hinter dem Buch steht die Berliner Initiative „Schulbuch-o-mat“, die vom Medienproduzenten Hans Hellfried Wedenig und dem Biologie- und Sportlehrer Heiko Przyhodnik gegründet wurde. Hier der Link zu diesem Projekt: http://www.schulbuch-o-mat.de/

Die Frage am Anfang: Was für ein Medientyp bin ich?

Was hat das Angebot an digitalen Wissensformaten mit meiner eigenen Persönlichkeit zu tun?

Schreiben Sie beispielsweise gerne? Dann wäre ein Blog etwas für Sie.

Oder hören Sie gerne Radiobeiträge und verfügen darüber hinaus über eine angenehme Stimme und ein ausgeprägtes Interesse daran, eigene Hörbeiträge zu entwickeln und zu realisieren? Dann wäre die Produktion von Podcasts etwas für Sie.

Oder sind Sie eher so ein visueller Typ wie ich, der sich stark für bewegte Bilder interessiert? Dann wäre vielleicht die Produktion von Erklärvideos etwas für Sie.

Diese Möglichkeit habe ich erst neulich für mich entdeckt, als ich die Software Sparkol für das Produzieren von eigenen Erklärvideos austestete. Da ich zugleich auch viel schreibe und zeichne und zudem als Redner unterwegs bin, habe ich mir gedacht, dass das genau das richtige Medium für mich sein könnte.

Also habe ich mein erstes Erklärvideo mit eigenen Zeichnungen produziert, und zwar einen Trailer für das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“, das ich gerade zusammen mit Michael Lindner schreibe und welches im Oktober 2016 veröffentlicht wird, und zwar als E-Book und Book on demand – bewusst im Selfpublishing-Format und nicht bei einem professionellen Verlag.

Hier das Ergebnis:

Wenn Sie wissen wollen, wie Sie ein solches Video mit der Software Sparkol produzieren können, dann sollten Sie sich dazu einmal den kostenfreien Onlinekurs von Cathrin Kilian auf YouTube anschauen. Habe ich auch so gemacht und dann gleich Schritt für Schritt mein eigenes Video umgesetzt!

In diesem Onlinekurs zu der Frage, wie Sie Ihre eigene Bildung im Internet gestalten können und worauf es dabei ankommt, werde ich noch einen extra Beitrag schreiben, in dem ich genauer auf meine Erfahrungen mit der Software Sparkol eingehen werde.

Auch werde ich noch genauer auf persönliche Interessen eingehen, die passenden Lernangebote im Internet, und die Frage, wie Sie das alles übersichtlicher und systematischer gestalten können, gerade wenn Sie ambitioniertere Lernprojekte starten wollen, die mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Es wird also in den nächsten Beiträgen in dieser neuen Reihe noch spannend! Bleiben Sie am Ball!

Empfehlen Sie diesen Onlinekurs auch anderen Menschen aus Ihren persönlichen sozialen Netzwerken und tragen Sie sich in diesen Newsletter ein, der als Onlinekurs angelegt ist. Und erhalten Sie obendrein noch ein Gratis E-Book von uns, in dem Sie eine Übersicht zu wichtigen Lernplattformen im Netz geboten bekommen mit den passenden Links dazu.

Wie nutzen Sie die digitalen Medien zum Lernen? Was sollten Menschen an Schulen und Universitäten lernen, um sich besser auf ein Leben in der Zukunft vorzubereiten, das von größeren Brüchen gekennzeichnet ist? Leben, Lernen und Arbeiten im digitalen Wandel. Wir freuen uns über Ihre Anregungen und Gedanken zum Thema.

Marcus Klug

Marcus Klug ist als Speaker und Future Work Coach unterwegs. ​Er unterstützt Menschen und Organisationen, im Übergang zum digitalen Zeitalter auf intelligentere Weise zu lernen und zu arbeiten. Dazu hat er auch zusammen mit Michael Lindner das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ geschrieben, welches im März 2017 zum Buch des Monats erkoren wurde. Mehr Infos unter: www.marcusklug.de.

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