Film über digitale Nomaden: Interview mit Thorsten Kolsch und Tim Jonischkat

Heute Bali und morgen Rio. Leben und Arbeiten mit einem digitalen Büro im Rucksack. Thorsten Kolsch und Tim Jonischkat haben den ersten deutschsprachigen Film über digitale Nomaden realisiert. Am 31. März 2016 folgt die Fortsetzung. Im Interview verraten sie, wer digitale Nomaden sind, wie sie ihr Geld verdienen, und welche Grundvoraussetzungen erfüllt sein sollten, damit ein solcher Lebensstil gelingen kann.

Vielleicht fragen Sie sich so wie Thorsten Kolsch, wie wohl ein Leben aussehen würde, das mehr Freiheiten in der Gestaltung der eigenen Arbeit zulässt? Als Angestellte, die mit Kopf und Computer arbeiten, kennen wir diese Frage womöglich: Wir arbeiten zumeist in einem Büro, zu einer bestimmten Uhrzeit, und manchmal machen wir Überstünden oder haben zuweilen auch einen Außentermin. Und irgendwann meldet sich eine innere Stimme zu Wort: War das jetzt schon alles? Wann fängt eigentlich das echte Leben an?

Würden wir nicht viel lieber häufiger verreisen, mit spannenden digitalen Content-Projekten unser Geld verdienen, und das Leben mehr als Abenteuer oder Spiel betrachten? Ich glaube, es gibt aktuell sehr viele Menschen, die sich solche Fragen stellen, wenn man bedenkt, dass wir in wirklich turbulenten Zeiten leben, und wenn man darüber hinaus berücksichtigt, dass wir heute viel häufiger unsere Jobs wechseln und die Rente so oder so nicht wirklich gesichert ist. Sollten wir da nicht einfach mehr riskieren? Ich muss dabei an ein Zitat von Jochen Schweizer denken: „Wer etwas riskiert, kann verlieren. Wer aber nichts riskiert, verliert garantiert.“

So ähnliche Fragen hat sicherlich auch Thorsten Kolsch im Kopf gehabt, als er immer mehr darüber nachdachte, wie digitale Nomaden ihre Arbeit gestalten und leben. Das sind solche Menschen wie unter anderem Conni Biesalski, Sebastian Canaves oder Feli Hargarten. Menschen, die ortsunabhängig arbeiten und mit digitalen Dienstleistungen ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Thorsten Kolsch und Tim Jonischkat haben den ersten deutschsprachigen Film über das Leben von digitalen Nomaden gedreht: „Digitale Nomaden. Deutschland zieht aus“ (2014). Und schon bald gibt es die Fortsetzung zu diesem Film: „Digitale Nomaden 2. Deutschland meldet sich ab“. Dieser Film soll spätestens am 31. März 2016 veröffentlicht werden. Grund genug, die beiden Macher dieses Films im Rahmen des Buchprojekts „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ zu interviewen.

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Lieber Herr Kolsch und Herr Jonischkat, zusammen haben Sie zwei Dokumentarfilme über das Leben von sogenannten „Digitalen Nomaden“ realisiert – „Deutschland zieht aus“ und „Deutschland meldet sich ab“. Timothy Ferriss hat in seinem Buch „Die 4-Stunden-Woche“ das Bild von Menschen geprägt, die mit Laptop und Mobiltelefon unter einer Palme sitzen und von den schönsten Plätzen der Welt aus ihrer digitalen Arbeit nachgehen. Welche Bilder haben Sie im Kopf, nachdem Sie sich ausgiebiger mit den Lebensentwürfen von digitalen Nomaden beschäftigt haben?

Thorsten Kolsch: Der zweite Film steckt noch mitten in der Realisierung, dennoch haben wir in der Tat bereits einige Interviews geführt. Die oft zitierte „4-Stunden-Woche“ mag für viele digitale Nomaden eine Zielvorstellung sein, sie entspricht jedoch selten der gelebten Realität. Tatsächlich wird durch ein ortsunabhängiges Leben die Freiheit ermöglicht, selbst entscheiden zu können, von wo aus man sein Geschäft ausübt. Das kann im Coworking-Space genauso geschehen, wie in der Eigentumswohnung oder auf Reisen. Am Ende ist es eine individuelle Entscheidung, die im Kopf beginnt. Auch ich habe Bilder von digitalen Nomaden am Strand oder in Hängematten im Kopf (und auf meiner Facebook-Startseite). Ich weiß aber auch, dass eine solche Lebensweise viel Disziplin erfordert. Wer kann und will sich schon an den schönsten Plätzen der Welt auf die Arbeit konzentrieren?

Tim Jonischkat: Ja – wir haben uns sehr ausgiebig mit den Lebensentwürfen beschäftigt, allerdings unsere Protagonisten nie an ihren Arbeitsorten besucht. Wir kennen auch nur das Bild, dass sie uns über Facebook, Instagram & Co. vermitteln. Wir wissen aber: meist sitzen sie nicht am Strand, sondern statistisch eher auf der Terrasse eines Ferienhauses, im Wifi-abgedeckten Gemeinschaftsbereich eines Hotels oder in einem Café, das auf Wunsch asiatische Kreationen neben dem MacBook platziert.

Sein Einkommen ausschließlich über das Internet zu generieren, ist ohne Probleme möglich (…) Die eigentliche Herausforderung beginnt viel früher. Denn ohne ein gutes Produkt wird man es schwierig haben, online Abnehmer zu finden. – Thorsten Kolsch

Timothy Ferriss spricht von einer „4-Stunden-Woche“. Nur vier Stunden pro Woche arbeiten, das ist doch utopisch, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, werden sicherlich viele Personen einwenden. Arbeiten digitale Nomaden tatsächlich weniger? Was bedeutet „4-Stunden-Woche“ in der Gestaltung des eigenen Lebens?

Thorsten Kolsch: Wenn man sich die Aussagen von Timothy Ferris genauer ansieht und zwischen den Zeilen liest, ist im Grunde etwas anderes gemeint. Das Ziel sollte demnach sein, nur noch vier Stunden aufzuwenden, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Tatsächlich heißt das aber nicht, dass nach den vier Stunden Arbeit das Notebook beiseite gelegt wird. Abgesehen davon, dass die meisten, mit denen wir gesprochen haben, noch nicht in diesem Stadium sind, arbeiten sie einfach zu gerne. Sie denken nicht in Werktagen oder Arbeitszeiten, denn das womit sie Geld verdienen, macht ihnen Spaß. „Es fühlt sich nicht wie Arbeit an“ ist ein häufig gehörtes Zitat. Als Arbeit werden dagegen unliebsame Dinge wie Buchhaltung, Organisation und das Überwachen von Geschäftsprozessen angesehen, nicht jedoch die kreative Arbeit als solche.

Ständig auf Achse oder eher Nomade des Geistes?

Auffällig ist auch der Bezug zu den Möglichkeiten, die einem das Internet in der Gestaltung der eigenen Arbeit bietet. Wie würden Sie diese Möglichkeiten beschreiben, wenn Sie die verschiedenen Nomaden betrachten, die Sie interviewt haben? Welche Möglichkeiten bietet heute das Internet, sein Einkommen komplett online zu generieren?

Thorsten Kolsch: Sein Einkommen ausschließlich über das Internet zu generieren, ist ohne Probleme möglich. Im Gegenteil, die verschiedenen Vermarktungsmöglichkeiten und technischen Tools, digitale Produkte zu verkaufen, machen es Online-Arbeitern sehr leicht. So ist es möglich, seine Buchhaltung online abzuwickeln, die Post zu digitalisieren, Verträge online abzuschließen und seine Produkte online zu vertreiben und über Dienste wie Google AdWords & Co. online zu bewerben. Die eigentliche Herausforderung beginnt viel früher. Denn ohne ein gutes Produkt wird man es schwierig haben, online Abnehmer zu finden. Daher warne ich vor Aussagen, dass ein Online-Business ein Selbstläufer ist.

Tim Jonischkat: Die von uns interviewten Nomaden erzielen ihr Einkommen größtenteils durch Freelancing, Affiliate-Marketing (z.B. für Amazon-Produkte) auf ihren Blogs, durch den Verkauf von eBooks und Teilnehmergebühren von ihren Online-Kursen. Bei jedem in einer unterschiedlichen Zusammensetzung. Die meisten sind mit Freelancing in ihre Ortsunabhängigkeit gestartet und haben ihr arbeitszeitentkoppeltes, passives Einkommen nach und nach erhöht. Allerdings ist der Produktraum von unseren Protagonisten noch lange nicht erschöpft: andere „Nomaden“ betreiben völlig ortsunabhängig einen Kaffee-Onlineshop, eine Abrechnungsplattform, einen Jobmarkt für ortsunabhängige Jobs oder eine Beratungsfirma, die per Skype und eMail bei der Visualisierung von Geschäftspräsentationen hilft.

Festangestellte werden oft immer noch an ihre Arbeitszeit gekettet. Selbst wenn man schnell arbeitet und alle wichtigen Aufgaben der Woche geschafft hat, traut man sich nicht, das Büro am Freitag um 11 Uhr zu verlassen und an den See zu gehen. – Tim Jonischkat

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um zum digitalen Nomaden zu werden? Mir ist beispielsweise bei Ihren Interviewpartnern aufgefallen, dass wir hier zumeist von Menschen sprechen, die sehr gut ausgebildet und organisert sind, die mehrere Sprachen sprechen und unternehmerisch denken. Wie lautet Ihre Meinung dazu, wenn es um die Voraussetzungen geht?

Wie lebt man wohl als digitaler Nomade?

Thorsten Kolsch: Um ein ortsunabhängiges Leben zu führen, sollte man vor allem diszipliniert sein und nach Möglichkeit nicht bei Null anfangen. Ein Netzwerk aus anderen Selbstständigen, Freigeistern oder Freunden, die ähnlich denken, ist sehr wichtig, um ein eigenes Business in der Anfangszeit aufzubauen. Viele, mit denen wir gesprochen haben, haben tatsächlich eine gute Ausbildung genossen, dennoch mussten sie für ihr Online-Business einiges neu erlernen. Daher ist auch ein hohes Maß an Lernbereitschaft, und die Fähigkeit unternehmerisch zu denken, extrem förderlich.

Tim Jonischkat: Wie gesagt: die meisten fangen als Freiberufler an. Und schon da wird sich „die Spreu vom Weizen trennen“. Wer auch ohne eine GmbH im Rücken auf einen Kunden zugehen möchte, sollte entweder eine gute, fachliche Qualifikation mit praktischer Erfahrung vorweisen können oder aber ein ausreichend talentierter Selbstvermarkter sein.

In Ihren beiden Dokumentarfilmen sprechen die Nomaden – wie unter anderem auch die Reisebloggerin Conni Biesalski – auch über ihre Existenzängste. Was haben Sie von Ihren Gesprächspartnern über den Umgang mit solchen Ängsten gelernt? Was kann man diesbezüglich Menschen mit auf dem Weg geben, die selbstbestimmter und freier arbeiten wollen?

Nomadischer Lebensstil oder feste Ortsbindung?

Thorsten Kolsch: Auf der einen Seite dienen Existenzängste sehr gut als Selbstschutz. Allerdings dürfen wir uns von diesen Ängsten nicht einschränken oder gar dominieren lassen. Eine Kultur des Scheiterns wird beispielsweise in anderen Ländern viel stärker gelebt. Scheitern wird hierzulande dagegen oft als Makel, denn als Mut verstanden. Vielleicht erklärt das auch, weshalb wir in so vielen geschäftlichen Dingen, insbesondere im Online-Bereich, mit den USA nicht mithalten können. Hilfreich ist es daher auf jeden Fall, sich mit Gleichgesinnten zu unterhalten, sich zu vernetzen. Entscheidungen müssen natürlich von jedem individuell getroffen werden, doch Projektarbeit und Gespräche auf Augenhöhe können eine absichernde Wirkung haben.

Tim Jonischkat: Es bietet sich an, auf der nächsten Reise eines der Bücher von Chris Guillebeau oder Tim Ferriss mitzunehmen. Ich selbst habe die „4-Stunden-Woche“ damals beim Jogging als Hörbuch gehört. Seitdem geht mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf, einmal selbst eine „Geldmaschine“ bauen zu wollen.

Aus meiner Sicht wird in Unternehmen nicht mehr gearbeitet. Stattdessen gibt es nur noch Arbeitsmomente. Nämlich immer dann, wenn mal kein Kollege zwischendurch reinruft, der Chef ein spontanes Meeting einberuft oder die Konzentration nachlässt, weil man in einem lauten Großraumbüro sitzt. – Thorsten Kolsch

Inwieweit werden die Rahmenbedingungen der Arbeit von digitalen Nomaden auf radikalere Weise hinterfragt? Auch Festangestellte können heute teilweise von zu Hause arbeiten und von den digitalen Möglichkeiten in der Gestaltung ihrer Arbeit profitieren, etwa wenn sie sich weltweit mit anderen Menschen über Skype austauschen. Wo sehen Sie die entscheidenden Unterschiede?

Thorsten Kolsch: Die technischen Möglichkeiten halten natürlich in sämtliche Lebensbereiche Einzug. Daher wäre es auch zu kurz gesprungen, das Leben und Arbeiten von digitalen Nomaden nur auf diesen Fakt zu reduzieren. Somit liegt der wesentliche Unterschied nicht in den digitalen Möglichkeiten, sondern in der Art der Beschäftigung. Digitale Nomaden sind in erster Linie selbstständig. Ein Selbstständiger muss beispielsweise keinem Arbeitgeber Bericht erstatten. Er ist sein eigener Chef. Dieser Zustand ändert sich nicht, wenn der Arbeitnehmer seine Arbeit von zu Hause oder auf Reisen verrichtet. Dennoch ist es natürlich wünschenswert, wenn große Unternehmen auch ihren Angestellten ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zutrauen und sie selbst entscheiden können, von wo sie aus arbeiten.

Tim Jonischkat: Richtig. Festangestellte werden oft immer noch an ihre Arbeitszeit gekettet. Selbst wenn man schnell arbeitet und alle wichtigen Aufgaben der Woche geschafft hat, traut man sich nicht, das Büro am Freitag um 11 Uhr zu verlassen und an den See zu gehen. Man muss erreichbar sein, wenn es nicht Samstag, Sonntag oder Feiertag ist. Unsere Digitalen Nomaden können da ganz selbstbewusst sagen: „Ich beantworte meine Mails nur Montags“ – so hat es uns Sebastian Canaves gesagt. Ich selbst bin auch seit 2013 Freiberufler und könnte mich nur schwerlich wieder damit anfreunden, an jedem 01.01. eine Stempelkarte mit 25 Tagen zu bekommen, an denen ich „mal zuhause bleiben“ darf. Wenn die leer ist, muss ich jeden Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag an den Computer. Bis zum nächstem Jahr. Als Freiberufler mache ich Urlaub, wenn nichts Großes ansteht und das Konto voll genug ist.

Die Nomaden vertreten eine andere Kulturauffassung: Arbeit ist nicht mehr an feste Zeitstrukturen und Orte gebunden.

Was müssten Unternehmen an Ihrer Kultur verändern, wenn Sie sich mehr auf die Bedürfnisse von digitalen Nomaden einlassen würden?

Thorsten Kolsch: Unternehmen sollten sich in erster Linie von der Anwesenheitspflicht der Mitarbeiter verabschieden und ihre Meetingkultur überdenken. Aus meiner Sicht wird in Unternehmen nicht mehr gearbeitet. Stattdessen gibt es nur noch Arbeitsmomente. Nämlich immer dann, wenn mal kein Kollege zwischendurch reinruft, der Chef ein spontanes Meeting einberuft oder die Konzentration nachlässt, weil man in einem lauten Großraumbüro sitzt. Am Ende sollte doch das Ergebnis entscheiden und nicht die Art und Weise, wie die Arbeit verrichtet wurde.

Auch Ihr Filmprojekt basiert stark auf den Möglichkeiten, die das Internet heutzutage in der Realisierung von solchen Projekten bietet. Wo haben Sie in der Realisierung von diesen Möglichkeiten profitiert, beispielsweise im Vertrieb oder im Marketing? Inwieweit wäre Ihr Projekt ohne das Internet so nicht denkbar?

Thorsten Kolsch: Da die Zielgruppe unseres Filmprojektes natürlich vor allem in der digitalen Welt lebt und arbeitet, war für uns klar, dass wir den Film in erster Linie online verfügbar machen. Allerdings sind wir derzeit auch auf dem Filmfestival FUTURALE durch 25 Städte in Deutschland unterwegs. Es bringt also nichts, beide Welten, die On- und Offline-Welt, gegeneinander auszuspielen. Dennoch sind beispielsweise gute Suchergebnisse, Links von anderen Webseiten, Interviews wie diese und Facebook-Posts extrem hilfreich, um auf unser Filmprojekt aufmerksam zu machen. Auch die Vorarbeit zum Film und die Postproduktion verlief fast ausschließlich digital.

Tim Jonischkat: Stimmt. Ich erinnere mich gerade: wir haben sogar das Skript über Google Docs geschrieben, um gleichzeitig an verschiedenen Stellen texten zu können. Wir saßen zwar im selben Raum, haben so aber an genau derselben Kopie gearbeitet. Früher hat man sich ja gerne mal Word-Dokumente hin- und hergeschickt. Aber auch sonst: die Webseite ist unser wichtigster Vertriebskanal, völlig klar. Und dass wir zu jedem Zeitpunkt die auf fünf Minuten aktuellen Verkaufs- und Spendenzahlen dort anzeigen, ist auch nur mit Technologie und etwas IT-Knowhow möglich.

Auch digitale Nomaden wie Conni Biesalski kennen Existenzängste. Entscheidend ist der Mut, ein anderes Leben führen zu wollen, auch wenn man scheitern kann.

Wie konnten Sie Ihr Projekt finanzieren? Welche Strategie haben Sie verfolgt?

Thorsten Kolsch: Wir haben unseren Film komplett selbst finanziert. Unser Ziel war es von Anfang an, die Kosten hierfür wieder einzuspielen. Dazu haben Sponsoren, Eintrittsgelder für die Filmpremiere, Lizenzeinnahmen des Filmfestivals und natürlich die Verkäufe über unsere Webseite beigetragen. Auf www.deutschland-zieht-aus.de verraten wir ganz transparent, wohin welche Einnahmen und Ausgaben geflossen sind und fließen werden. Darüber hinaus habe wir aus unserem Filmprojekt ein Charity-Projekt gemacht. Jeder Cent wird ab sofort an wohltätige Zwecke gespendet.

Tim Jonischkat: Das Projekt startete zunächst als Auftragsarbeit, für die mich Thorsten engagiert hat. Schnell waren wir uns aber sicher, dass wir aus dem Projekt was viel größeres als einen Imagefilm machen wollten. So wurden wir beide Produzenten und haben die Finanzierung zunächst auf beiden Schultern verteilt, bis wir dann die Gewinnzone durch die Online-Verkäufe erreicht hatten.

Was hat sich in Ihrem eigenen Leben seit diesem Projekt verändert? Inwieweit führen Sie heute selber ein anderes Leben, bzw. wo haben Sie sich persönlich den Lebensstil von digitalen Nomaden angeeignet?

Thorsten Kolsch: Dadurch, dass ich mich seit mehr als zwei Jahren mit dem Thema befasse, bin ich zwangsläufig auch selber zu einem digitalen Nomaden geworden. Mein Lebensmittelpunkt ist zwar Hamburg, meine Arbeit verrichte ich aber ortsunabhängig – etwa in Cafés, in Coworking-Spaces, im Appartement oder auf Reisen. Zum Zeitpunkt der ersten Dreharbeiten war das noch anders und bin jeden Tag von Montag bis Freitag in die Räumlichkeiten meines damaligen Auftraggebers gegangen.

Tim Jonischkat: Ich bin weiterhin in den Büros meiner Kunden unterwegs, habe aber mein Leben weitaus minimalistischer eingerichtet. Wenn ich für vier Tage einen Freund in London besuche, habe ich nur einen kleinen Rucksack dabei, statt eine große Reisetasche. Außerdem genieße ich es nun, alleine zu reisen: die Nomaden reisen meist allein und lernen so viel mehr Leute kennen. Das habe ich für mich entdeckt und freue mich auf jede neue Bekanntschaft im Eurocity-Abteil auf dem Weg nach Venedig und jede unerwartete Unterhaltung beim Abstieg ins Yosemite Valley. In Zukunft baue ich dann noch meine „Geldmaschine“ nach Tim Ferriss und habe für solche Dinge hoffentlich noch viel mehr Zeit.

Das Interview führte Marcus Klug mit Thorsten Kolsch und Tim Jonischkat im Rahmen des Buchprojekts „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“. Besuchen Sie auch die Website zu dem ersten deutschsprachigen Film über das Leben von digitalen Nomaden. Mehr Infos zu diesem Projekt gibt es hier: http://www.deutschland-zieht-aus.de/about.

Thorsten Kolsch ist gebürtiger Dortmunder und überall dort anzutreffen, wo es schön ist, wo er sich wohl fühlt und wo er arbeiten kann. Seit bereits 17 Jahren ist er der Musik- und Medienbranche verfallen, davon seit etwa fünf Jahren selbstständig mit seiner Einzelunternehmung thokomedia. Seine Leidenschaft? Die Umsetzung von digitalen Content-Projekten. Projekte, die inspirieren, unterhalten und weiterhelfen. Die „Digitale Nomaden“-Filmreihe ist ein solches Projekt.

nTim Jonischkat ist ein Bochumer Pottkind. Er studierte direkt nach seinem Abitur „Software Systems Engineering“ an der Universität Duisburg-Essen und zog derweil nach Essen. Später war das Haus der Emmastraße 1 sein wichtigster Ort, um mit Freunden eine gute Zeit zu haben. Die Marke „EmmaEins“ sollte später auch die Grundlage zur Benennung seiner Firma EMMAEINSMEDIA werden. Nach einigen beruflichen Experimenten als wissenschaftlicher Mitarbeiter und IT-Berater machte er sich selbstständig und pendelte fortan zwischen Essen und Hamburg – der Stadt seines ersten Auftraggebers. Das Filmprojekt „Digitale Nomaden“ folgte, es kamen Zweifel an der IT-Karriere, die sich aber mit der Auflösung seiner Essener WG wieder schnell verzogen.

Marcus Klug

Marcus Klug, geboren 1977, ist Redner, Blogger und Autor. Neben seiner Tätigkeit als Blogger und Formatentwickler für das Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke hat er bereits vor über zwei Jahren damit begonnen, zusammen mit Michael Lindner das Sachbuch „Morgen weiß ich mehr. Intelligenter lernen und arbeiten nach der digitalen Revolution“ zu schreiben, welches im März 2017 zum Buch des Monats erkoren wurde. Das Sachbuch bildet die Basis zu einem eigenen Expertenprogramm als Speaker: „Wissensabenteuer für die digitale Zukunft“. Mehr Infos unter: www.marcusklug.de.

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