3D Drucker ‒ eine neue industrielle Revolution?

Die Entwicklung des Internets ist eine informationstechnische Revolution, die den Zugang zu Informationen tief greifend verändert hat. Diese Entwicklung hatte Auswirkungen auf klassische Branchen, auf die Zeitungsindustrie, die Musikindustrie, Filme und Medien. Jetzt kündigt sich eine weitere Revolution durch Informationstechnik an, von der einige behaupten, dass sie eine neue industrielle Revolution sein könnte: Das 3-D Drucken.

Mit einem 3-D Drucker lassen sich dreidimensionale Objekte mit Hilfe einer elektronischen Vorlage herstellen. Der Drucker lagert verschiedene Schichten eines Materials übereinander und baut so ein dreidimensionales Objekt auf. Das Verfahren ist ähnlich wie wenn man mit einer Klebepistole verschiedene Schichten übereinander legt. Ein 3-D Drucker ist dagegen in der Lage, sehr komplexe und filigrane Objekte aufzubauen, heutzutage gibt es Drucker, die unterschiedliche Materialien verarbeiten können, vom Metall bis Kunststoff.

Eine Gitarre aus dem 3D Drucker. Quelle: The Guardian

Die Daten für den Drucker kommen aus einer Datei, meistens eine CAD Vorlage, das Ganze funktioniert prinzipiell genauso, wie ein Druck auf Papier: Aus einer elektronischen Vorlage wird ein Objekt gestaltet. Statt bedrucktes Papier bekommt man mit einem 3-D Drucker dann ein dreidimensionales Objekt. In diesem Youtube-Video der deutschen Welle wird das Verfahren genauer erläutert:

Ganz neu ist die Technologie des 3D Drucks nicht. Unternehmen und Universitäten verwendeten 3-D Drucker bereits, um Prototypen herzustellen. Inzwischen sind die Preis für die Drucker aber deutlich gefallen, wodurch sie für einen Massenmarkt attraktiv werden. Die Süddeutsche Zeitung geht davon aus, dass 3-D Drucker in fünf bis zehn Jahren für den Massenmarkt geeignet sein könnten. Die Anwendungsfelder für die Drucker scheinen inzwischen auch vielfältig zu sein. Man kann sehr viel mehr herstellen als nur einfache Gegenstände aus Plastik, sondern mit 3-D Druckern lassen sich heute vom Kopfhörer bis zu Schuhen, Kleidung und sogar Schmuck herstellen.

Auch Kleidung lässt sich inzwischen mit 3D Druckern herstellen.

Auf den Seiten von Freedom of Creation findet man eine große Auswahl von Designgegenständen, die mit einem 3-D Drucker herstellt werden. Als Nutzer kann man die Gegenstände auch einfach modifizieren und individuelle Wünsche herstellen. Dabei fallen keine großen Herstellungs- oder Lagerkosten an, da die Produktion nur eine CAD Datei braucht.

Welchen Stellenwert 3-D Drucken in der Industrie haben wird, ist heute noch schwer abzuschätzen. Das „additive“ Fertigen von Gegenständen hat den Vorteil, weniger Materialien zu gebrauchen als bei den herkömmlichen Methoden. Es muss kein Material ausgeschnitten oder gebogen werden, um einen Gegenstand herzustellen. 3D-Drucker können auch 24 Stunden in Betrieb sein, da man für die primäre Herstellung des Gegenstandes keine weitere Arbeitskraft mehr braucht. Ausführliche Informationen zur wirtschaftlichen Bedeutung des 3D-Druckens gibt es in diesem Artikel des Economist.

Veränderungen in der Art zu Wirtschaften

Wenn die 3-D Drucker den Massenmarkt erreichen, ist es auch denkbar, dass 3-D Drucker in der Zukunft bei Privatpersonen verbreitet sein könnten. Oder es viele kleine Firmen gibt, die individuelle dreidimensionale Objekte auf Anfrage herstellen können, ähnlich wie heute bereits Freedom of Creation, Shapeways oder Kraftwux. Mit einer größeren Verbreitung von 3-D Druckern könnte es vielleicht eine Art von „High-Tech-Selbstversorgung“ geben, da man einfacher und billiger selbst Produkte herstellen könnte. Mit 3-D Druckern könnten vielleicht mehr Menschen als Selbstversorger arbeiten. Diese Idee hatte bereits der Philosoph Frithjof Bergmann vor vielen Jahren entwickelt, es gibt auch Vertreter der „Steady state economy“, die in der Zukunft von einer stärkeren Verbreitung der Selbstversorgung ausgehen.

Eine weitere Auswirkung könnte es auf globaler Ebene geben. Wenn es tatsächlich möglich wäre, 3-D Drucker so einzusetzen, dass man vor Ort in einer größeren Stückzahl Gegenstände produzieren kann, dann bräuchten wir die globalen Produktionsketten so nicht mehr. Anstatt Objekte in Fabriken in China fertigen zu lassen, würde es möglich werden, die Entwürfe einfach in den Industrieländern auszudrucken. Damit könnten also viele Jobs in Fabriken in Schwellenländern wegfallen ‒ um die es, bei den heutigen Arbeitsbedingungen, häufig nicht schade ist.

Der Makerbot Replikator. Beginn einer neuen industriellen Revolution?

Zu dieser Einschätzung kommt Hans Langer, Geschäftsführer von EOS, einem Hersteller von 3-D Druckern in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur. Die Herstellung wird laut Langer in den Industrieländern wieder wirtschaftlicher und deshalb wird die Fertigung aus den Niedriglohnländern in die Industrieländer zurückkehren. Einen Abbau von Arbeitsplätzen muss das aber laut Langer nicht bedeuten.

3-D Drucken ist bis heute ein Nischenmarkt und menschliche Arbeitskraft wird auch weiterhin benötigt, da die gedruckten Objekte teilweise nachbearbeitet werden müssen oder ein Objekt aus einzelne, gedruckten Teile zusammengesetzt werden muss. Ob 3-D Drucken eine Revolution in der Fertigung sein wird, ist heute nicht ganz klar, diese Methode der Fertigung wird sich aber zumindest neben der klassischen Industriefertigung etablieren können.

Text: Michael Lindner

Michael Lindner

Dr. Michael Lindner ist Dozent für die Themen Selbstmanagement, Informationsmanagement und Wirtschaftsethik und Corporate Social Responsibility. Er gibt Workshops und Seminare und unterstützt Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen in Fragen der Selbstorganisation und dem effizienten Umgang mit dem Web 2.0. Treten Sie mit Michael Lindner in Kontakt. Sie interessieren sich für einzelne Seminarangebote? Hier geht es zu den Seminarangeboten. →

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